Zweite edle Wahrheit — das Begehren hinter dem Leiden finden
Wenn Leiden vorhanden ist, verfolge es zu seiner Ursache: Welches Begehren, welche Anhaftung oder welcher Widerstand nährt es?
Why it works
Samudaya (Entstehung, Ursache) identifiziert Begehren (Tanha) — genauer das Begehren nach angenehmer Erfahrung (Kama-Tanha), nach Existenz (Bhava-Tanha) und nach Nicht-Existenz oder Auslöschung (Vibhava-Tanha). Gemeinsam ist ihnen die Ablehnung des tatsächlichen gegenwärtigen Moments zugunsten von etwas anderem. Der diagnostische Schritt besteht darin, das genaue "Ich will es anders" zu finden, das Leiden erzeugt.
How to do it
- Wenn Leiden benannt ist, frage: "Was will ich statt dem, was hier ist?"
- Suche nach dem Begehren, dass es anders sei: "Ich will, dass das aufhört", "Ich will, dass X passiert", "Ich will, dass das anders gewesen wäre."
- Achte auch auf das Begehren, dass etwas nicht sei: "Ich wünschte, das würde nicht existieren."
- Benenne das spezifische Objekt des Begehrens so genau wie möglich.
Evidenz
Der Zusammenhang zwischen Begehren und Leiden wiederholt sich in Forschung zu hedonischer Anpassung und Zielerreichung: Begehren nach zukünftigen Zuständen oder gegen gegenwärtige Zustände sagt zuverlässig geringeres Wohlbefinden voraus, selbst wenn die begehrten Zustände erreicht werden. (observational)
Gilbert & Wilson untersuchen affektive Vorhersagefehler, nicht speziell Tanha; der Mechanismus Begehren-Leiden ist geteilt.
Quellen
- Gilbert & Wilson (2009), Why the brain talks to itself: sources of error in emotional prediction, Philosophical Transactions of the Royal Society
- Killingsworth, M. A., & Gilbert, D. T. (2010). A wandering mind is an unhappy mind. Science, 330(6006), 932.
- Wilson, T. D., & Gilbert, D. T. (2005). Affective forecasting: Knowing what to want. Current Directions in Psychological Science, 14(3), 131-134.
Häufiger Fehler
Zu schließen, dass jedes Verlangen das Problem ist, und zu versuchen, das Wollen ganz auszulöschen — Tanha bezieht sich speziell auf die getriebene, klammernde Qualität des Begehrens, nicht auf gesunde Motivation oder Streben.
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