Erst diagnostizieren, dann verordnen – mit COM-B

Identifiziere vor der Wahl einer Strategie, welche von Fähigkeit, Gelegenheit oder Motivation der Engpass ist.

Why it works

COM-B modelliert Verhalten als konjunktives, nicht additives System: Fähigkeit, Gelegenheit und Motivation müssen alle gleichzeitig vorhanden sein, sodass das Verhalten durch die jeweils schwächste Komponente begrenzt wird, nicht durch ihre Summe. Diese Struktur erklärt, warum Anstrengung, die auf eine bereits ausreichende Komponente zielt, fast keine Veränderung bringt – du kannst die Motivation verdoppeln und dennoch nichts erreichen, wenn die bindende Beschränkung ist, dass das Fitnessstudio vierzig Minuten entfernt liegt. Das erklärt auch, warum sich das Scheitern wie ein Charakterproblem anfühlt: Von innen fühlt sich ein blockiertes Verhalten identisch an, egal welche Komponente fehlt, sodass Menschen standardmäßig zu der Erklärung greifen, die sie über sich selbst bereits glauben (meist „Ich wollte es nicht genug“). Erst zu diagnostizieren ersetzt diese Standardzuschreibung durch eine lokalisierte Beschränkung, was die nächste Intervention nicht mehr zufällig macht.

How to do it

  1. Benenne das Zielverhalten präzise („dreimal pro Woche ins Fitnessstudio gehen“, nicht „mehr Sport treiben“).
  2. Stelle drei diagnostische Fragen: Weiß ich, wie es geht, und bin ich körperlich dazu in der Lage? (Fähigkeit) Erlauben es die Umstände? (Gelegenheit) Will ich es wirklich genug, um zu handeln? (Motivation)
  3. Identifiziere das schwächste Glied – die am niedrigsten bewertete Komponente – und richte dich zuerst darauf.
  4. Bewerte nach 2–3 Wochen neu; ein behobener Engpass offenbart oft den nächsten limitierenden Faktor.

Evidenz

COM-B and the Behaviour Change Wheel come from a real peer-reviewed source: Michie, van Stralen & West (2011) in Implementation Science, built by systematically identifying and synthesising 19 existing behaviour-change frameworks and then refining the result through expert consensus. That is genuine methodological work, and the framework is widely adopted in public-health intervention design. What it is NOT is an experimentally derived theory: the paper establishes a comprehensive organising structure, not evidence that diagnosing with COM-B causes better outcomes than not. Its predictive validity at the individual level is principled rather than independently confirmed by RCTs. (mechanistic)

The model is a systematic synthesis refined by expert consensus, not an empirical theory derived from experiments. Widespread adoption is not the same as demonstrated effectiveness, and using the wrong diagnosis still leads to ineffective intervention.

Quellen

Häufiger Fehler

Die Diagnose zu überspringen und standardmäßig auf motivationale Strategien zu setzen, obwohl die eigentliche Lücke ein Fähigkeitsdefizit (Capability) oder eine logistische Barriere (Opportunity) ist.

Übe das mit IX Coach

Mit IX Coach starten

More practices for Das COM-B-Modell und das Behaviour Change Wheel

Verwandte Konzepte