Validieren: anerkennen, was an ihrer Sicht Sinn ergibt
Den Teil ihrer Sicht finden, der angesichts ihrer Erfahrung nachvollziehbar ist – und das aussprechen.
Why it works
Validierung ist keine Zustimmung. „Ich verstehe, warum du dich angesichts dessen, was du durchgemacht hast, so fühlst“ bedeutet nicht „du hast recht“. Es bedeutet „deine Reaktion ergibt als Reaktion Sinn“. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Validierung nimmt den Druck heraus, den Streit darüber zu gewinnen, wessen Wahrnehmung richtig ist – meist der Motor der Eskalation –, ohne dass man die eigene Position aufgeben muss. Validierte Menschen sind eher bereit, im Gegenzug deine Perspektive zu hören.
How to do it
- Eine Sache in ihrer Position finden, die wirklich Sinn ergibt: ein Wert, eine vergangene Erfahrung, ein berechtigtes Anliegen.
- Es explizit benennen: „Angesichts dessen, was vorher passiert ist, ist es verständlich, dass du hier vorsichtig bist.“
- Vor der eigenen Position validieren – die Reihenfolge zählt.
Evidenz
Validierung ist ein zentraler Bestandteil der DBT und hat spezifische Evidenz in therapeutischen Settings für die Reduktion von Patientenleid und den Aufbau therapeutischer Allianz. Shenk und Fruzzetti zeigten experimentell, dass invalidierende Antworten emotionale und physiologische Reaktivität steigern, während validierende sie dämpfen. (clinical)
DBT-Validierungsevidenz stammt vorwiegend aus klinischen Therapiepopulationen; der Mechanismus (gefühlte Sicherheit senkt Abwehr) ist gut belegt, aber der spezifische Effekt im alltäglichen zwischenmenschlichen Konflikt ist weniger direkt geprüft.
Quellen
- Linehan (1997), validation in dialectical behavior therapy, Cognitive and Behavioral Practice
- Linehan, M. M. (1997). Validation and psychotherapy. In A. C. Bohart & L. S. Greenberg (Eds.), Empathy reconsidered: New directions in psychotherapy (pp. 353-392). Washington, DC: American Psychological Association.
- Shenk, C. E., & Fruzzetti, A. E. (2011). The impact of validating and invalidating responses on emotional reactivity. Journal of Social and Clinical Psychology, 30(2), 163-183.
Häufiger Fehler
„Ich verstehe, aber…“ als Validierung nutzen, was signalisiert, dass die Validierung nur eine Vorbereitung auf die Zurückweisung war – das „aber“ löscht die Validierung. Vollständig validieren, bevor man zur eigenen Perspektive übergeht.
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- Sanft sein: keine Angriffe, Drohungen oder Verachtung
Sag, was du sagen musst, ohne Aggression, Sarkasmus oder Verachtung – auch wenn du verletzt oder wütend bist.
- Interessiert sein: zuhören und zeigen, dass man zuhört
Der Perspektive des anderen mit echter Neugier begegnen, nicht nur mit Geduld.
- Leichte Art: eine leichte Note einbringen, wo angemessen
Humor, Leichtigkeit und Wärme nutzen, um beiden in Erinnerung zu rufen, dass die Beziehung größer ist als dieser Konflikt.
- GIVE als vollständige Sequenz in Gesprächen mit hohem Einsatz nutzen
Alle vier GIVE-Komponenten gemeinsam anwenden – Sanftheit, Interesse, Validierung, Leichtigkeit – für Gespräche, bei denen die Beziehung auf dem Spiel steht.
- Die passende Validierungsebene für die Situation nutzen
Die Validierung an das anpassen, was tatsächlich zutrifft – oberflächliche Zustimmung, emotionale Anerkennung oder tiefes Verständnis.
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