Das Rasiermesser auf dich selbst anwenden

Erweitere auf deine eigenen vergangenen Handlungen dieselbe wohlwollende Interpretation, die du anderen gibst.

Why it works

Selbstvorwürfe laufen oft heißer als Fremdvorwürfe – Menschen schreiben ihre eigenen vergangenen Fehlschläge Charakterschwächen zu („ich bin faul“) statt Umständen („ich war überfordert und habe die Aufgabe falsch eingeschätzt“). Dieselbe wohlwollende Logik, die Feindseligkeit gegenüber anderen entschärft, reduziert nach innen angewandt Scham und Selbstkritik, die das Lernen aus Fehlern behindern.

How to do it

  1. Frag bei der Rückschau auf einen vergangenen Fehlschlag: „Was fehlte mir – Information, Energie, Fertigkeit –, das das ohne Charakteranklage erklärt?“
  2. Unterscheide zwischen einem einmaligen Fehler (durch Umstände erklärt) und einem Muster (das die Gewohnheit verdient zu prüfen, nicht den Charakter).
  3. Nutze die wohlwollende Selbstinterpretation, um eine konkrete Änderung zu erzeugen, nicht als Ausrede, die Lehre zu umgehen.

Evidenz

Selbstmitgefühlsforschung findet, dass sich mit demselben Verständnis zu behandeln, das man einem Freund entgegenbringt – statt mit harscher Selbstkritik – mit größerer Resilienz und Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, verbunden ist. (observational)

Selbstmitgefühl und Selbstentschuldigung können sich von innen ähnlich anfühlen; das unterscheidende Merkmal ist, ob die wohlwollende Interpretation eine konstruktive Verhaltensänderung erzeugt.

Quellen

  • Neff (2003), self-compassion and psychological well-being, Self and Identity

Häufiger Fehler

Wohlwollende Selbstinterpretation zu nutzen, um Verantwortung zu vermeiden: Das Rasiermesser erklärt einen Fehler, es löscht nicht die Verantwortung, ihn zu beheben.

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