Wahlfreies Gewahrsein — ohne Objekt ruhen

Sitze mit offener, empfänglicher Aufmerksamkeit und lass alles, was in der Erfahrung auftaucht, zum Meditationsobjekt werden — ohne zu wählen, zu verfolgen oder abzulehnen.

Why it works

Fokussierte Aufmerksamkeitspraxis trainiert gerichtete, top-down gesteuerte Aufmerksamkeitskontrolle. Open Monitoring trainiert eine andere Fähigkeit: das Meta-Gewahrsein, das beobachtet, was auftaucht, ohne davon eingenommen zu werden. Das erfordert eine stabile genug Aufmerksamkeitsbasis (meist zuerst durch fokussierte Aufmerksamkeit entwickelt), damit der Geist nicht einfach ins Tagträumen abdriftet, wenn kein Objekt vorgegeben ist. Die Unterscheidung entspricht dem neurowissenschaftlichen Befund, dass Open Monitoring andere Default-Mode- und präfrontale Muster erzeugt als fokussierte Aufmerksamkeitspraxis.

How to do it

  1. Etabliere eine kurze Phase fokussierter Aufmerksamkeit (Atem oder Körper), um den Geist zu beruhigen, bevor du das Gewahrsein öffnest.
  2. Lass jedes konkrete Fokusobjekt los und lass die Aufmerksamkeit panoramisch werden — gleichermaßen offen für Geräusche, Empfindungen, Gedanken und Emotionen.
  3. Wenn die Aufmerksamkeit von etwas Auffälligem angezogen wird, bemerke diesen Sog, ohne ihm vollständig in den Inhalt zu folgen. Du bist der Raum, in dem das Ereignis stattfindet, nicht das Ereignis.
  4. Wenn der Geist vollständig in einen Gedankenstrom abgedriftet ist (nicht nur Gedanken bemerkt, sondern von ihnen absorbiert ist), kehre für ein paar Atemzüge zu einem Atemanker zurück, dann lass wieder los.

Evidenz

Die kontemplative Neurowissenschaft hat fokussierte Aufmerksamkeits- und Open-Monitoring-Stile mittels EEG und fMRT unterschieden und dabei unterschiedliche Muster von frontalem Theta, Default-Mode-Aktivierung und Gamma-Oszillationen bei erfahrenen Praktizierenden gefunden. Die funktionale Unterscheidung ist in der Forschung gut etabliert, obwohl Wirksamkeitsstudien speziell für Open Monitoring seltener sind als für fokussierte Aufmerksamkeit. Neuroimaging zeigt zudem, dass Meditationserfahrung mit reduzierter Default-Mode-Netzwerk-Aktivität verbunden ist und dass Open Monitoring speziell die Beteiligung von Hirnregionen dämpft, die mit Gedächtnisfunktion verknüpft sind. (observational)

Der Großteil der Neurowissenschaftsforschung betrifft erfahrene Meditierende — die beobachteten Muster könnten Langzeit-Trainingseffekte widerspiegeln und nicht auf Anfänger zutreffen. Wirksamkeitsevidenz für Open Monitoring ist im Vergleich zu fokussierter Achtsamkeit begrenzt.

Quellen

Häufiger Fehler

Open Monitoring als "Meditieren ohne Anstrengung" zu behandeln — es ist eine anspruchsvolle Praxis, die anhaltendes Meta-Gewahrsein erfordert. Ohne eine etablierte Grundlage fokussierter Aufmerksamkeit wird es typischerweise zu Tagträumen.

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