Nach der Misserfolgsrate fragen, bevor die Erfolgsrate gefeiert wird

Bevor Sie Lektionen aus einer Erfolgsgeschichte ziehen, fragen Sie: Von wie vielen Versuchen ist dieser gelungen?

Why it works

Jede Strategie, egal wie zufällig, wird bei einem ausreichend großen Pool von Versuchen auffällige Erfolge hervorbringen. Der Erfolg selbst sagt sehr wenig über die Qualität der Strategie aus — Sie brauchen den Nenner (wie viele es versucht haben), um die tatsächliche Wahrscheinlichkeit zu berechnen. Ohne die Misserfolgsrate mustererkennt Ihr Gehirn ausgewählte Überlebende, nicht repräsentative Ergebnisse.

How to do it

  1. Fragen Sie bei jeder Erfolgsgeschichte oder Fallstudie: „Wie viele Menschen oder Unternehmen haben denselben Ansatz versucht?“
  2. Versuchen Sie, die Misserfolgs- oder Basisrate für diese Kategorie zu finden.
  3. Wenn die Misserfolgsrate nicht verfügbar ist, halten Sie die Lektion mit expliziter Unsicherheit fest, statt sie als verlässliche Lehre zu behandeln.
  4. Protokollieren Sie bei Ihren eigenen Entscheidungen Versuche und Misserfolge neben Erfolgen, damit Sie eine eigene Basisrate haben.

Evidenz

Die Misserfolgsraten-Frage ist der direkte entzerrende Schritt gegen Survivorship Bias. Basisraten-Vernachlässigung — das Ignorieren von Hintergrundhäufigkeiten — ist einer der robustesten Befunde der Urteilsbildung-unter-Unsicherheit-Literatur. Explizite Berücksichtigung von Basisraten erzwingen verbessert probabilistisches Denken erheblich. (observational)

Das Wissen um die Basisrate verbessert das Denken in Aufgaben, in denen die Basisrate gegeben ist. In realen Umgebungen sind Misserfolgsraten-Daten oft schlicht nicht verfügbar, und selbst wenn verfügbar, verankern sich Menschen am auffälligen Fall statt an der Statistik.

Quellen

  • Kahneman & Tversky (1973), "On the Psychology of Prediction", Psychological Review — base-rate neglect

Häufiger Fehler

Anzunehmen, dass eine Strategie nachahmenswert ist, nur weil eine Erfolgsgeschichte existiert, ohne zu fragen, wie repräsentativ diese Geschichte ist. Celebrity-Biografien und Business-Fallstudien stammen fast ausschließlich von Überlebenden.

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