Multisensorische Erdung als erweitertes Orientieren

Benenne systematisch, was du siehst, hörst, fühlst und riechst, um dem Nervensystem ein vollspektrales „Hier und Jetzt“-Update zu geben.

Why it works

Orientieren nutzt sensorische Daten, um die Gefahreneinschätzung des Nervensystems zu aktualisieren. Die Orientierungspraxis über mehrere Sinnesmodalitäten hinweg auszudehnen (nicht nur visuell) liefert ein reichhaltigeres, umfassenderes „aktuelle Situation ist sicher“-Signal. Multisensorische Erdung ist zudem eine der besser untersuchten klinischen Stabilisierungstechniken, mit Evidenz in der Trauma- und Angstbehandlung. Jeder Sinneskanal, der neutrale Gegenwartsdaten liefert, ist eine weitere Stimme für „sicher, jetzt“.

How to do it

  1. Benenne fünf Dinge, die du sehen kannst — neutral bezeichnet.
  2. Benenne vier Dinge, die du körperlich fühlen kannst (Füße auf dem Boden, Stoff auf der Haut, Lufttemperatur).
  3. Benenne drei Dinge, die du hören kannst.
  4. Benenne zwei Dinge, die du riechen kannst, oder zwei Dinge, die du schmecken könntest.
  5. Atme einmal langsam und bemerke, wo du in deinem Körper und im Raum bist.

Evidenz

Die „5-4-3-2-1“-Sinneserdungstechnik wird in der klinischen Praxis bei Angst und Trauma-Stabilisierung breit eingesetzt; obwohl sie als eigenständige Technik keinen großen RCTs unterzogen wurde, ist sie in Angst-, DBT- und trauma-informierten Leitlinien anerkannt. (clinical)

Erdung wirkt am besten bei leichter bis moderater Dissoziation und Angst; bei schweren dissoziativen Episoden ist professionelle Unterstützung nötig, nicht selbst durchgeführte Erdung allein.

Häufiger Fehler

Die Sinnesliste eilig als mentale Übung durchzugehen, ohne die Aufmerksamkeit wirklich in jeden Sinn zu legen. Geschwindigkeit macht daraus eine kognitive Aufgabe; der Nutzen erfordert, tatsächlich in jeder Empfindung zu verweilen.

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