Mache einmal wöchentlich einen Ehrfurchts-Spaziergang
Gehe mit der ausdrücklichen Absicht spazieren, etwas Gewaltiges oder Staunenswertes zu suchen – lenke deine Aufmerksamkeit nach außen statt nach innen.
Why it works
Ein gewöhnlicher Spaziergang aktiviert die selbstbezogene Verarbeitung des Default-Mode-Netzwerks: Menschen nutzen Spaziergänge, um über sich selbst nachzudenken, zu planen und zu grübeln. Ein Ehrfurchts-Spaziergang – mit einer ausdrücklichen Haltung von Neugier und Offenheit für Staunen – lenkt die Aufmerksamkeit vom Selbstnarrativ zur äußeren Welt und erzeugt den Effekt des „kleinen Selbst“: eine vorübergehende Beruhigung des Ego, die zuverlässig mit gesteigertem positivem Affekt einhergeht.
How to do it
- Plane einen 20-minütigen Spaziergang mit einer Absicht: etwas Gewaltiges, Schönes oder schwer Erklärbares zu bemerken.
- Lass Kopfhörer zu Hause.
- Wenn du etwas bemerkst, das auch nur ein mildes Staunen auslöst, bleib stehen und widme dich ihm mindestens 30 Sekunden lang voll.
- Verbringe danach zwei Minuten damit, einen Satz über das Bemerkte zu schreiben.
Evidenz
Sturm et al. (2020) fanden, dass acht Wochen wöchentlicher Ehrfurchts-Spaziergänge bei älteren Erwachsenen mehr Wohlbefinden, mehr prosoziale Emotionen und reduzierte Selbstfokussierung erzeugten als gewöhnliche Spaziergänge – ein randomisiertes kontrolliertes Design. (rct)
Die Studie war an älteren Erwachsenen durchgeführt; die Generalisierbarkeit auf andere Altersgruppen und die genau erforderliche Dosis sind noch nicht geklärt.
Quellen
- Sturm et al. (2020), "Big smile, small self: Awe walks promote prosocial positive emotions in older adults," Emotion
- Sturm, V. E., Datta, S., Roy, A. R. K., Sible, I. J., Kosik, E. L., Veziris, C. R., Chow, T. E., Morris, N. A., Neuhaus, J., Kramer, J. H., Miller, B. L., Holley, S. R., & Keltner, D. (2022). Big smile, small self: Awe walks promote prosocial positive emotions in older adults. Emotion, 22(5), 1044–1058.
- Bai, Y., Maruskin, L. A., Chen, S., Gordon, A. M., Stellar, J. E., McNeil, G. D., Peng, K., & Keltner, D. (2017). Awe, the diminished self, and collective engagement: Universals and cultural variations in the small self. Journal of Personality and Social Psychology, 113(2), 185–209.
Häufiger Fehler
Den Spaziergang zu machen, aber dabei einen Podcast oder Musik zu hören – das hält die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet und hebt den Mechanismus der Aufmerksamkeitslenkung nach außen auf.
Übe das mit IX Coach
More practices for Ehrfurcht und Wohlbefinden, praktisch
- Nutze Dokumentationen und großformatige Kunst, um Ehrfurcht auszulösen
Schau dir Inhalte an, die echte Gewaltigkeit vermitteln – tiefer Raum, Ökosysteme, historisches Ausmaß – mit voller Aufmerksamkeit statt im Hintergrund.
- Schreibe nach Ehrfurcht aus der Perspektive des kleinen Selbst
Schreibe nach einer Ehrfurchtserfahrung kurz aus der Perspektive von jemandem, dessen persönliche Sorgen sich angemessen klein anfühlen.
- Achte auf moralische Schönheit als alltägliche Ehrfurchtsquelle
Bemerke und verweile bei Akten außergewöhnlicher Tugend, Können oder Hingabe – ein häufiger Ehrfurchtsauslöser, den die meisten Menschen übersehen.
- Nutze Ehrfurcht, um die wahrgenommene Zeit zu erweitern
Löse bewusst Ehrfurcht aus, wenn du dich zeitlich unter Druck oder gehetzt fühlst – Ehrfurcht verlangsamt zuverlässig die wahrgenommene Zeit und reduziert das Gefühl der Knappheit.
- Baue einen persönlichen Katalog von Mikro-Ehrfurchtsauslösern auf
Identifiziere die kleinen, zuverlässigen Reize in deiner Alltagsumgebung, die zuverlässig ein mildes Staunen erzeugen – und nutze sie bewusst.
- Nutze Ehrfurcht, um dich mit etwas Größerem als dir selbst zu verbinden
Wenn Ehrfurcht das Selbst klein macht, folge dem natürlichen Impuls zur Zugehörigkeit – zu Gemeinschaft, Natur oder der Menschheit im Ganzen.
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