Identifiziere noogene (sinnbezogene) Probleme, nicht nur psychologische

Frage, ob dein aktuelles Leiden eine psychologische Schwierigkeit oder eine tiefere Sinnfrage ist – weil sie unterschiedliche Reaktionen erfordern.

Why it works

Frankl unterschied noogene Neurosen (aus existenzieller Frustration – unerfülltem Sinn entstehend) von psychologischen Neurosen (aus Trieben oder Konflikten entstehend). Ein Sinnproblem als psychologisches zu behandeln (z. B. Symptommanagement für eine existenzielle Krise) setzt an der falschen Ebene an. Korrekt zu identifizieren, ob das Problem auf der Sinnebene liegt, erlaubt die richtige Reaktion: Engagement mit Sinn statt Symptommanagement.

How to do it

  1. Frage bei anhaltendem Leid: Geht es hier primär darum, wie ich mich fühle, oder darum, ob mein Leben irgendwohin führt, das zählt?
  2. Wenn Zweiteres, wird psychologisches Symptommanagement vorübergehende Erleichterung bringen, aber das Problem nicht lösen.
  3. Identifiziere eine konkrete Sinnfrage hinter dem Leid: Wofür bin ich da? Was zählt genug, um meine Tage darum zu organisieren?
  4. Arbeite an der Sinnfrage anstelle von oder neben dem Symptom.

Evidenz

Forschung unterscheidet hedonisches Wohlbefinden (Abwesenheit negativen Affekts) von eudaimonischem Wohlbefinden (Sinn und Zweck); Sinndefizite sagen Leid voraus, das durch Interventionen auf Symptomebene nicht vollständig gelöst wird. (observational)

Die hedonisch/eudaimonische Unterscheidung stützt die Problemtyp-Differenzierung; Frankls noogene Kategorie ist eine philosophische Ausarbeitung, und „noogene Neurose“ als Diagnose ist heute nicht mehr gebräuchlich.

Quellen

  • Baumeister, R.F. et al. (2013), Some key differences between a happy life and a meaningful life, Journal of Positive Psychology

Häufiger Fehler

Anzunehmen, dass jedes Problem ein Sinnproblem ist, und dabei die einfachen psychologischen Interventionen zu vernachlässigen, die für Stimmung und kognitive Verzerrungen tatsächlich angemessen sind.

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