Stressimpfungstraining

Meichenbaums dreiphasiges Protokoll für den Aufbau echter Stressresilienz

Wie baut Stressimpfungstraining Resilienz auf?

Stressimpfungstraining (SIT) – oft auch Stressimpfungstherapie genannt – ist eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Intervention, die Donald Meichenbaum in den 1970er-Jahren entwickelte und die von einer ausgebildeten Fachperson durchgeführt wird. Der Name ist eine medizinische Analogie: So wie eine Impfung den Körper einer handhabbaren Dosis aussetzt, damit er eine Reaktion aufbauen kann, setzt SIT eine Person abgestuftem, kontrolliertem Stress aus, nachdem ihr Bewältigungsfertigkeiten vermittelt wurden, sodass diese Fertigkeiten verfügbar sind, wenn echter Stress eintrifft. Es läuft in drei Phasen ab. Konzeptualisierung ist eine gemeinsame Einschätzung, in der Fachperson und Klient ein geteiltes Bild der Stressreaktionen der Person und ihrer Auslöser entwickeln. Fertigkeitserwerb und -einübung umfasst die Bewältigungswerkzeuge – kognitive Umstrukturierung, Problemlösung, Entspannung, Selbstinstruktion –, die zunächst unter risikoarmen Bedingungen geübt werden. Anwendung und Weiterführung überführt diese Übung in zunehmend anspruchsvollere Situationen, durch Vorstellung, Rollenspiel und dann reale Situationen. Es wird bei Angst, Ärger und Schmerzmanagement eingesetzt sowie in der beruflichen Vorbereitung für Militär, Polizei und Rettungsdienste. Die Forschungslage ist recht breit, die Studien sind aber meist klein, und SIT ist ein klinisches Protokoll, das von einer Fachperson durchgeführt wird, kein selbst angewendetes Programm.

Die meisten Bewältigungsstrategien werden in ruhigen Situationen trainiert und versagen dann, wenn Stress eintrifft. Stressimpfungstraining kehrt die Reihenfolge um: Fertigkeiten werden zuerst gelernt, dann unter kontrolliertem, gestuftem Stress eingeübt – sodass sie verfügbar sind, wenn das System tatsächlich aktiviert ist. Der Name stammt von der medizinischen Impfung: eine kontrollierte Exposition gegenüber einer handhabbaren Dosis baut eine Reaktion auf die volle Dosis auf. Zwei Dinge sollten vorab klar sein. Erstens meinen „Stressimpfungstherapie“ und „Stressimpfungstraining“ dasselbe; Meichenbaum wählte bewusst „Training“, weil das Modell die Person als jemanden behandelt, der eine Reihe von Fertigkeiten erlernt, statt eine Behandlung zu erhalten, und weil SIT ebenso auf Leistungsvorbereitung wie auf klinische Beschwerdebilder angewendet wird. Zweitens ist es ein strukturiertes Protokoll, das von einer ausgebildeten Fachperson durchgeführt wird, keine Selbsthilfe-Abfolge. Besonders die Phase der abgestuften Exposition hängt davon ab, dass jemand anderes den Schwierigkeitsgrad kalibriert – genau das, was eine Person unter Stress für sich selbst nicht zuverlässig leisten kann. Wenn Angst oder Stress dein Leben erheblich beeinträchtigen, ist das eine Methode, nach der du eine Fachperson fragen solltest, statt sie allein durchzuführen. Die folgenden Seiten beschreiben Meichenbaums drei Phasen und ihre Bestandteile, damit du den Ansatz verstehst und erkennst, wenn er dir angeboten wird.

Übungen

Übe das mit IX Coach

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