Aus mehreren Blickwinkeln beobachten, bevor Schlüsse gezogen werden

Bewusst verschiedene Perspektiven auf die Erfahrung einnehmen, bevor entschieden wird, was sie bedeutet.

Why it works

Eine Einzelperspektiven-Rückschau zementiert die Interpretation, die sich bereits während des Ereignisses formte. In zusätzliche Blickwinkel zu wechseln — was ein Mentor bemerkt hätte, was die andere Person erlebt hat, was eine Fliege an der Wand berichten würde — aktiviert andere Wissensstrukturen und bringt Details ans Licht, die die ursprüngliche Perspektive herausgefiltert hat. Die vervielfachten Blickwinkel heben einander nicht auf; sie zeigen, was jeder für sich allein übersehen würde.

How to do it

  1. Schreiben Sie nach Ihrem sachlichen Protokoll drei Beobachtungen aus drei verschiedenen Blickwinkeln: Ihrem eigenen, dem einer anderen beteiligten Person, dem eines unbeteiligten Beobachters.
  2. Beantworten Sie für jeden Blickwinkel: „Was hätte diese Person bemerkt, das ich nicht bemerkt habe?“
  3. Notieren Sie, wo sich die Blickwinkel widersprechen — diese Widersprüche sind meist am aufschlussreichsten.

Evidenz

Perspektivübernahme wird konsistent mit reduziertem egozentrischem Bias und genaueren sozialen Urteilen assoziiert; ihre Anwendung auf Selbstreflexion überträgt dieselbe entzerrende Logik auf die Interpretation der eigenen Handlungen. (observational)

Forschung zur Perspektivübernahme betrifft primär zwischenmenschliche Genauigkeit, nicht Selbstverbesserung an sich; die Übertragung auf reflektierende Praxis ist eine prinzipielle Anwendung, kein separat untersuchter Effekt.

Häufiger Fehler

Die „anderen Perspektiven“ als Projektionen der eigenen Sicht zu schreiben („sie stimmten mir wahrscheinlich zu“), was die Übung völlig zunichtemacht.

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