Suche, was deine Landkarte auslässt

Jedes Modell lässt etwas aus — suche gezielt nach deinen blinden Flecken.

Why it works

Landkarten vereinfachen durch Auslassung; die Vereinfachungen, die sich natürlich anfühlen, kodieren meist die Annahmen, die Kultur oder die Vorerfahrung des Modellierers als unsichtbare Standardeinstellungen. Aktives Suchen nach Auslassungen wirkt der Tendenz entgegen, nur Belege wahrzunehmen, die zur bestehenden Landkarte passen — genau der Kernfehler, vor dem die Unterscheidung Landkarte/Gebiet warnt.

How to do it

  1. Frage dich: Was würde jemand mit anderem Hintergrund, anderen Interessen oder anderer Expertise hier bemerken, das ich übersehe?
  2. Liste die Faktoren auf, denen dein Modell derzeit kein Gewicht beimisst, und frage, ob null gerechtfertigt ist.
  3. Finde eine Person, die deinem Modell widerspricht, und versuche ernsthaft, ihre Landkarte nachzuvollziehen.
  4. Behandle Anomalien — Beobachtungen, die nicht passen — als Hinweise, nicht als Rauschen.

Evidenz

Bestätigungsfehler zählen zu den robustesten Befunden der Kognitionspsychologie — Menschen suchen und gewichten bevorzugt Belege, die zu bestehenden Überzeugungen passen. Aktive Gegenstrategien, die die Aufmerksamkeit auf widersprechende Informationen lenken, verringern, beseitigen ihn aber nicht. (observational)

Aktiv nach Auslassungen zu suchen, ist kognitiv aufwendig, und Menschen halten es selten ohne Struktur durch; diese Praxis braucht einen Impuls, nicht nur gute Absichten.

Quellen

  • Nickerson (1998), "Confirmation Bias: A Ubiquitous Phenomenon in Many Guises", Review of General Psychology

Häufiger Fehler

Nach Auslassungen unter Fakten zu suchen, die du bereits als Teil des Modells kennst, statt in den konzeptuellen Kategorien, an die du noch gar nicht gedacht hast.

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