Negative Problemorientierung: wie sie Ungewissheit prägt

Negative Problemorientierung ist die Gewohnheit, eine ungeklärte Situation standardmäßig als Bedrohung zu lesen, bevor das Ergebnis tatsächlich bekannt ist.

Why it works

Negative Problemorientierung ist ein Begriff aus der Sorgenforschung, wo er etwas von Problemlösefähigkeit Unterschiedenes benennt: ein Set von Überzeugungen über Probleme und über sich selbst im Verhältnis zu ihnen. Jemand mit hoher Ausprägung liest eine mehrdeutige Situation eher als Bedrohung denn als Frage, zweifelt an der eigenen Fähigkeit, damit umzugehen, und erwartet, dass Versuchen kaum helfen wird. Der Grund, warum das getrennt von Fähigkeit betrachtet wird: Beides fällt auseinander — Menschen können durchaus in der Lage sein, ein Problem durchzuarbeiten, und trotzdem stocken, weil die Orientierung zuerst feuert und die Situation bereits als Gefahr codiert wurde, bevor überhaupt Denken beginnt. Es verbindet sich auch mit Ungewissheitsintoleranz, da eine Haltung, die Ungeklärtes als unsicher behandelt, das Noch-nicht-Wissen von sich aus alarmierend macht, was die Sorge auf der Suche nach einer nicht verfügbaren Gewissheit am Laufen hält. Bewusst ein plausibles gutes Ergebnis neben dem gefürchteten zu erzeugen ist eine Art, die Asymmetrie zu bemerken statt ihr zu gehorchen. Es ist kein positives Denken und kein Weg, sich ein Anliegen auszureden — der Punkt ist, dass die hoffnungsvolle Version nie gehört wurde, sodass der Vergleich nie fair war.

How to do it

  1. Wenn du eine ungewisse Situation bemerkst, halte inne und erzeuge bewusst eine positive Möglichkeit neben der gefürchteten.
  2. Frag: "Was ist hier das beste realistische Ergebnis?"
  3. Übe, bei der Mehrdeutigkeit zu bleiben, statt sie auf ein Worst-Case-Szenario zusammenfallen zu lassen.
  4. Protokolliere über die Zeit, ob sich deine gefürchtete oder hoffnungsvolle Vorhersage als zutreffender erwies.

Evidenz

Positive and negative problem orientation are treated as poles of a single construct in the worry literature, and questionnaire studies report that a more negative orientation is associated with higher worry and less effective problem-solving. The relationships are correlational, and because orientation and worry are both self-reported the constructs partly overlap in how they are measured. (observational)

Correlational evidence. Shifting orientation is a treatment target within full CBT protocols for GAD, but it has no strong standalone trial evidence separate from those protocols, so nothing here should be read as a technique that reliably reduces worry on its own. It is a way of noticing a bias, not a treatment, and it is not a substitute for care from a clinician.

Quellen

  • Dugas et al. (2004), positive beliefs about worry: a psychometric investigation, Personality and Individual Differences

Häufiger Fehler

Positives Denken als Unterdrückung des ängstlichen Gedankens zu erzwingen, statt als echte Erweiterung des Möglichkeitsraums — Unterdrückung schnellt zurück und verstärkt aufdringliche Gedanken.

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