Risiko von Mehrdeutigkeit unterscheiden, bevor du reagierst

Benenne, ob du vor bekannten Chancen oder wirklich unbekannten Chancen stehst — das richtige Werkzeug hängt von der Antwort ab.

Why it works

Die meisten Unbehagen über Unsicherheit vermischen zwei unterschiedliche Dinge: Risiko (berechenbare Chancen) und Knight'sche Unsicherheit (unbekannte Wahrscheinlichkeitsverteilung). Zu benennen, mit welchem du konfrontiert bist, verändert die angemessene Reaktion: Bei Risiko gelten Erwartungswertwerkzeuge; bei echter Mehrdeutigkeit brauchst du robuste Strategien, die über Szenarien hinweg akzeptabel abschneiden, statt Strategien, die für angenommene Wahrscheinlichkeiten optimiert sind, die du gar nicht hast. Das Label selbst — "das ist Mehrdeutigkeit, nicht Risiko" — ist psychologisch nützlich, weil es den Rahmen von "ich weiß nicht genug" zu "niemand weiß hier genug, also brauche ich einen anderen Ansatz" verschiebt.

How to do it

  1. Schreibe die Entscheidung auf, vor der du stehst.
  2. Frag: Habe ich verlässliche historische Daten zu Ergebniswahrscheinlichkeiten? Wenn ja, hast du Risiko, keine Mehrdeutigkeit.
  3. Wenn keine verlässlichen Daten existieren, benenne es "Mehrdeutigkeit" und wechsle von Erwartungswertdenken zu Szenario-Robustheitsdenken.
  4. Protokolliere die Entscheidungsart in IX Coach und notiere, welchen Denkmodus du angewandt hast.

Evidenz

Knights (1921) Risiko-/Unsicherheitsunterscheidung ist grundlegend in der Entscheidungstheorie. Ellsberg (1961) bestätigte experimentell, dass Menschen die beiden unterschiedlich behandeln. Für die Benennungspraxis selbst existieren keine randomisierten Studien, aber das konzeptionelle Rahmenwerk ist theoretisch gut begründet. (mechanistic)

Die Unterscheidung ist konzeptionell sauber, aber in der Praxis schwierig: Die meisten realen Entscheidungen fallen in eine Grauzone zwischen berechenbarem Risiko und reiner Knight'scher Unsicherheit.

Quellen

Häufiger Fehler

Jede Unsicherheit als Risiko zu behandeln und Erwartungswertberechnungen auf Verteilungen anzuwenden, die du dir "ausgedacht" hast — erfundene Wahrscheinlichkeitsschätzungen sind schlimmer als das Anerkennen von Mehrdeutigkeit.

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