Charakter durch bewusste Wiederholung aufbauen
Wähle eine Charaktereigenschaft, die du verkörpern willst, und führe täglich eine konkrete Handlung dazu aus, bis sie keine Anstrengung mehr erfordert.
Why it works
Aristoteles' praktischster Beitrag ist die Behauptung, dass Charakter durch wiederholtes Handeln aufgebaut wird: 'Wir werden gerecht, indem wir gerechte Taten tun, mutig, indem wir mutige Taten tun.' Der Mechanismus wird heute im Sinne neuronaler Gewohnheitsbildung verstanden: wiederholte Ausführung einer Handlungsart baut die motorischen und kognitiven Schemata auf, die sie natürlich statt anstrengend erscheinen lassen. Charakter ist keine Disposition, die man hat – er ist der angesammelte Niederschlag dessen, was man wiederholt getan hat.
How to do it
- Benenne eine Charaktereigenschaft, die du stärken willst (Mut, Ehrlichkeit, Großzügigkeit, Geduld).
- Entwirf eine kleine, tägliche Handlung, die genau diese Eigenschaft ausübt – etwas, das echte Anstrengung erfordert.
- Führe sie 30 Tage lang ununterbrochen täglich aus.
- Bemerke nach 30 Tagen, ob die Handlung leichter geworden ist und ob du die Eigenschaft in verwandten Situationen häufiger bemerkst.
Evidenz
Gewohnheitsbildungsforschung stützt die Idee, dass wiederholtes Handeln in konsistenten Kontexten Automatismus erzeugt – das Verhaltensanalogon dessen, was Aristoteles 'zweite Natur' nennt. Charaktereigenschaften sind relativ stabile Verhaltensmuster, die sich durch konsistente Übung entwickeln. (observational)
Gewohnheitsbildungsforschung fokussiert auf spezifische Verhaltensweisen statt breite Charaktereigenschaften. Die Extrapolation, dass Charaktertugend gleichermaßen aufgebaut wird, ist Aristoteles' Behauptung; sie ist plausibel und mechanistisch stimmig, aber nicht direkt als Charakterbildung untersucht.
Quellen
- Lally et al. (2010), how are habits formed, European Journal of Social Psychology
- Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology, 40(6), 998–1009.
- Wood, W., & Rünger, D. (2016). Psychology of habit. Annual Review of Psychology, 67, 289–314.
Häufiger Fehler
Eine Charakterhandlung zu wählen, die zu ambitioniert für den täglichen Vollzug ist – die Praxis erfordert etwas verlässlich Wiederholbares in gewöhnlichen Umständen, keine heroische Geste für besondere Anlässe.
Übe das mit IX Coach
More practices for Aristotelische Eudaimonia: Aufblühen durch Tugend
- Die tugendhafte Mitte in einer konkreten Situation finden
Identifiziere die Extreme des Übermaßes und Mangels in einer Situation und übe bewusst, die Mitte zu treffen – die angemessene Reaktion.
- Phronesis entwickeln: praktische Weisheit durch Reflexion
Reflektiere nach einer bedeutenden Entscheidung darüber, was eine praktisch weise Person getan hätte – und aktualisiere dein Urteil fürs nächste Mal.
- Freundschaften der Tugend über Vergnügen oder Nutzen pflegen
Investiere am tiefsten in Freundschaften, in denen gegenseitige Charakterentwicklung – nicht nur Vergnügen oder Nützlichkeit – die Bindung ist.
- Deine zentrale sinnvolle Tätigkeit identifizieren und schützen
Identifiziere die Tätigkeiten, die deine besten Fähigkeiten ausdrücken, und strukturiere deinen Tag so, dass sie deine besten Stunden bekommen, nicht deine Reste.
- Regelmäßige Eudaimonia-Prüfung: Blühst du tatsächlich auf?
Bewerte dein Leben regelmäßig gegen die Bedingungen, die Aristoteles für echtes Aufblühen für notwendig hielt – nicht nur deine Gefühle darüber.
- Zeit für Theoria schützen: kontemplative Reflexion
Reserviere regelmäßig Zeit für Denken ohne praktisches Ergebnis – Reflexion, philosophische Lektüre oder Erkundung von Dingen, auf die du nicht handeln wirst.
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