Abrufbasiertes Lernurteil

Stütze deine Zuversicht darauf, ob du die Antwort abrufen kannst, nicht darauf, ob sich das Material vertraut anfühlt.

Why it works

Fluency-basierte JOLs fragen „fühlt sich das vertraut an?“ – eine Frage, die das Arbeitsgedächtnis mit irreführender Leichtigkeit beantwortet. Abrufbasierte JOLs fragen „kann ich diese Antwort eigenständig produzieren?“ – was den Zugriff auf das Langzeitgedächtnis erfordert. Indem man vor der Bewertung zum Abruf zwingt, erhält der Lernende eine direkte Stichprobe des Abrufprozesses, den das JOL eigentlich vorhersagen soll, statt sich auf ein Gefühl zu verlassen, das nur lose mit dem Abruf verknüpft ist.

How to do it

  1. Schließe vor der Bewertung eines Elements das Material und versuche freien Abruf.
  2. Bewerte die Zuversicht auf Basis der Qualität des Abrufs (flüssig? mühsam? teilweise? gar nicht?).
  3. Bewerte niemals nur aufgrund von Wiedererkennung oder Vertrautheit.
  4. Bewerte teilweisen Abruf niedriger als vollständigen, auch wenn sich die teilweise Version zuversichtlich angefühlt hat.

Evidenz

Abrufbasierte JOL-Kalibrierung wird durch Forschung gestützt, die zeigt, dass Testen sowohl JOL-Genauigkeit als auch nachfolgende Behaltensleistung verbessert – der Abrufversuch liefert sowohl ein besseres Kalibrierungssignal als auch zusätzliche Kodierung. (observational)

Abrufbasierte JOLs sind genauer, aber auch aufwendiger; unter Zeitdruck fallen Lernende oft auf fluency-basierte Bewertungen zurück. Die Praxis erfordert bewusste Gewohnheit.

Quellen

  • Roediger & Karpicke (2006), "Test-enhanced learning," Psychological Science

Häufiger Fehler

„Hoch“ bewerten, weil das Material vertraut aussieht, ohne zu testen, ob es produziert werden kann – und dann überrascht sein, wenn es zur Prüfungszeit nicht abrufbar ist, trotz selbstbewusster Lernbewertungen.

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