Sei freundlich UND bestimmt – gleichzeitig, nicht abwechselnd

Freundlich ohne Bestimmtheit ist Nachgiebigkeit; bestimmt ohne Freundlichkeit ist Autoritarismus. Die Praxis besteht darin, beides zugleich zu halten.

Why it works

Freundlichkeit adressiert das Zugehörigkeitsbedürfnis des Kindes – es erlebt sich als umsorgt und sicher. Bestimmtheit adressiert die Grenze – das Verhalten hat reale Konsequenzen und die Erwartung ist real. Werden diese zeitlich getrennt (jetzt freundlich, später bestimmt, oder jetzt streng, später entschuldigend), erleben Kinder das als widersprüchliche Signale. Werden sie gleichzeitig gehalten – „Ich liebe dich, und das ist die Grenze" – erhält das Kind eine kohärente Botschaft: Die Beziehung ist sicher und die Welt hat Struktur.

How to do it

  1. Übe den gleichzeitigen Ausdruck: „Ich weiß, du bist enttäuscht, und die Antwort bleibt Nein." (freundliche Anerkennung + bestimmte Haltung in einem Atemzug)
  2. Vermeide die Entschuldigung, die die Grenze untergräbt: „Ich weiß, du hasst das, es tut mir so leid, aber ..." schwächt die Bestimmtheit.
  3. Beobachte deine eigene Neigung: Driftest du bei Widerstand eher zu freundlich (Bestimmtheit reduzieren) oder zu bestimmt (Wärme reduzieren, wenn du frustriert bist)? Arbeite an der schwächeren Seite.

Evidenz

Baumrinds Forschung zum autoritativen Erziehungsstil – die am häufigsten replizierte Erziehungsforschung in der Entwicklungspsychologie – zeigt, dass die Kombination aus hoher Responsivität (freundlich) und hoher Anspruchshaltung (bestimmt) beide Dimensionen einzeln konsistent übertrifft. (observational)

Die freundlich-und-bestimmt-Formulierung ist Nelsens Ausdruck von Baumrinds autoritativem Stil. Die Forschung stützt die Kombination; das spezifische Positive-Disziplin-Programm als Curriculum hat weniger direkte Evidenz.

Quellen

  • Baumrind, D. (1991). The influence of parenting style on adolescent competence and substance use. Journal of Early Adolescence, 11(1), 56–95.

Häufiger Fehler

Zu denken, man könne erst freundlich und dann bestimmt sein – erst die Emotion ansprechen, dann später mit einer Konsequenz das Verhalten adressieren. Die kohärente Botschaft erfordert beides gleichzeitig.

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