Eine Erzählrunde nutzen, um gegenseitiges Verstehen vor der Lösung aufzubauen
Geben Sie jeder Person vor dem Übergang zur Lösung eine Runde, um ihre Erfahrung des Geschehenen zu erzählen.
Why it works
In Konflikten werden Menschen typischerweise nur für ihre Position und ihre vorgeschlagene Lösung gehört — nicht für ihre volle Erfahrung dessen, was geschehen ist. Eine eigens gewidmete Erzählrunde, in der jede Person ihre Erfahrung des Ereignisses ohne Unterbrechung erzählt, aktiviert Perspektivübernahme bei den Zuhörenden und gibt jeder Person die Erfahrung, wirklich gehört zu werden. Das durch echtes Zuhören erzeugte Einfühlungsvermögen reduziert durchgängig die emotionale Aufladung von Konflikten und macht kreative Lösung zugänglicher.
How to do it
- Führen Sie die Runde ein: „Wir werden von jeder Person hören, was sie erlebt hat. Diese Runde ist zum Zuhören da, nicht zum Antworten.“
- Reichen Sie den Redegegenstand mit dem Impuls: „Erzählen Sie uns, was geschehen ist, von Ihrem Standpunkt aus.“
- Fragen Sie nach allen Erzählungen eine zweite Runde: „Was haben Sie gehört, das Sie überrascht hat oder das Sie vorher nicht wussten?“
Evidenz
Sowohl narrative Therapieforschung als auch Studien zur Perspektivübernahme zeigen, dass die Erfahrung, die eigene Geschichte zu erzählen und wirklich gehört zu werden, defensive Reaktivität reduziert und die Bereitschaft erhöht, die Perspektiven anderer zu berücksichtigen. (observational)
Der Erzählmechanismus wird durch narrative Therapieforschung und Perspektivübernahme-Forschung allgemein gestützt; spezifische Studien zu Erzählrunden in Kreisen sind vorwiegend praktikerberichtet.
Quellen
- White, M. & Epston, D. (1990). Narrative Means to Therapeutic Ends. Norton.
- Bruneau, E. G., & Saxe, R. (2012). The power of being heard: The benefits of 'perspective-giving' in the context of intergroup conflict. Journal of Experimental Social Psychology, 48(4), 855–866.
- Galinsky, A. D., & Moskowitz, G. B. (2000). Perspective-taking: Decreasing stereotype expression, stereotype accessibility, and in-group favoritism. Journal of Personality and Social Psychology, 78(4), 708–724.
- Galinsky, A. D., Maddux, W. W., Gilin, D., & White, J. B. (2008). Why it pays to get inside the head of your opponent: The differential effects of perspective taking and empathy in negotiations. Psychological Science, 19(4), 378–384.
Häufiger Fehler
Direkt von der Problembeschreibung zu Lösungsvorschlägen überzugehen, ohne eine eigens gewidmete Runde für jede Person, gehört zu werden — was bedeutet, dass die Lösung auf unvollständigem Verstehen aufbaut.
Übe das mit IX Coach
More practices for Der Kreisprozess (Kay Pranis)
- Den Redegegenstand nutzen, um gleiche Stimme durchzusetzen
Nur die Person, die den Redegegenstand hält, spricht — alle anderen hören zu.
- Jeden Kreis mit dem Benennen geteilter Werte eröffnen
Geteilte Werte schaffen den psychologischen Rahmen, der ehrlichen Dialog möglich macht.
- Eine Mitte gestalten, die den Zweck des Kreises trägt
Ein geteiltes Objekt im Zentrum des Kreises versinnbildlicht die gemeinsame Absicht der Gruppe.
- Check-in- und Check-out-Runden nutzen, um die ganze Person zu würdigen
Jeder Kreis öffnet mit einem persönlichen Check-in und schließt mit einem Check-out — schafft einen Rahmen mit Anfang und Ende.
- Die Hüterin hält den Prozess, nicht den Inhalt
Die Aufgabe der Kreishüterin ist es, den Prozess zu schützen — nicht Ergebnisse zu moderieren, Rat zu geben oder zu urteilen.
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