Das Duale-Prozess-Modell der Trauer, praktisch angewendet
Gesunde Trauer als Oszillation zwischen dem Eingehen auf Verlust und dem Wiederaufbau des Lebens
Das duale Prozessmodell der Trauer: wie Oszillation hilft
Das Duale-Prozess-Modell (DPM), entwickelt von Margaret Stroebe und Henk Schut, beschreibt gesunde Trauer als Oszillation zwischen zwei Ausrichtungen: verlustorientiert (sich mit dem Schmerz des Verlustes der Person auseinandersetzen) und wiederherstellungsorientiert (sich den praktischen und identitätsbezogenen Herausforderungen des Lebens ohne sie widmen). Das Modell ist in der Trauerforschung gut angesehen und liefert ein Rahmenwerk dafür, warum Pausen von der Trauer gesund sind, nicht vermeidend.
Das Duale-Prozess-Modell rahmt Trauer von einer linearen Stufenfolge in einen dynamischen, wechselseitigen Prozess um. Trauernde bewegen sich natürlich zwischen dem direkten Eingehen auf den Verlust (Verlustorientierung: weinen, vermissen, Trauerarbeit) und der Zuwendung zu Lebensanforderungen und Wiederherstellung (Wiederherstellungsorientierung: praktische Veränderungen managen, eine neue Identität aufbauen, sich Pausen vom Trauern nehmen). Das Modell sagt voraus, dass diese Oszillation sowohl normal als auch notwendig ist – zu viel Verlustfokus ohne Erholungszeit kann überwältigend sein; zu viel Wiederherstellungsfokus ohne Verlustauseinandersetzung kann Trauer unterdrücken. Stroebe und Schut entwickelten das DPM teils als Reaktion auf die Grenzen von Stufenmodellen und teils, um individuelle und kulturelle Unterschiede im Trauerstil zu berücksichtigen.
Übungen
- Bewusst verlustorientierte Arbeit betreiben
Reserviere dedizierte Zeit, um dich direkt der Trauer zu stellen – den Gefühlen, der Abwesenheit, der Bedeutung des Verlustes.
- Bewusst Pausen von der Trauer nehmen
Gib dir echte Erlaubnis, dich auf das gewöhnliche Leben einzulassen – das ist Wiederherstellungsorientierung, keine Vermeidung.
- Die Oszillation bewusst regulieren
Wenn du zu lange in einer Ausrichtung verbringst, wechsle bewusst zur anderen.
- Sekundäre Stressoren identifizieren und angehen
Benenne die praktischen, identitätsbezogenen und relationalen Herausforderungen, die der Verlust geschaffen hat – und arbeite als Wiederherstellung daran.
- Den eigenen natürlichen Trauerstil erkennen und darauf einstellen
Wisse, ob du eher zu Verlust- oder Wiederherstellungsorientierung neigst – und gleiche entsprechend aus.
- Erkennen, wie kulturelle Normen die eigene Trauer formen
Prüfe, ob kulturelle Skripte darüber, wie lange und wie viel man trauern soll, deine Erfahrung formen.