Reflektiere bewusst nach jeder bedeutsamen Erfahrung
Halte direkt nach einem bedeutsamen Ereignis inne und beobachte, was passiert ist und wie du reagiert hast – bevor du interpretierst.
Why it works
Ohne bewusste Reflexion wird Erfahrung durch bestehende Denkschemata verarbeitet und bestätigt, was ohnehin schon geglaubt wird. Strukturierte Reflexion schafft Abstand zwischen Ereignis und Interpretation und macht Muster sichtbar, die das bestehende Schema nicht vorhergesagt hat. Der kurze Abstand zwischen Erfahrung und Reflexion ist entscheidend: Er lässt die anfängliche emotionale Ladung sich genug beruhigen, damit Beobachtung mehr sein kann als nachträgliche Rationalisierung.
How to do it
- Schreib oder sprich innerhalb weniger Stunden nach einer bedeutsamen Erfahrung aus, was passiert ist – rein beschreibend, ohne Bewertung.
- Notiere, was du in Schlüsselmomenten gedacht und gefühlt hast und was du daraufhin getan hast.
- Leg das beiseite, bevor du zur Interpretation übergehst.
Evidenz
Reflektierte Praxis verbessert die Leistung in vielen beruflichen Bereichen. Metaanalysen von Reflexionsinterventionen in der medizinischen und pflegerischen Ausbildung finden positive Effekte auf Wissen und Anwendung, wobei die Studienqualität variiert. (observational)
Reflexionsforschung nutzt meist Praktiker-Berichte oder Leistungsmaße in beruflichen Kontexten; kontrollierte Studien, die Reflexion als einzelnen Wirkfaktor isolieren, sind begrenzt.
Quellen
- Mann, K., Gordon, J., & MacLeod, A. (2009). Reflection and reflective practice in health professions education: a systematic review. Advances in Health Sciences Education, 14(4), 595–621.
- Sandars, J. (2009). The use of reflection in medical education: AMEE Guide No. 44. Medical Teacher, 31(8), 685–695.
Häufiger Fehler
Sofort zur Interpretation springen ("Das bedeutet…"), bevor der beschreibende Beobachtungsschritt abgeschlossen ist – das macht aus Reflexion nachträgliche Rationalisierung statt echtem neuen Lernen.
Übe das mit IX Coach
More practices for Kolbs Erfahrungslernzyklus: Lernen durch Tun und Reflektieren
- Leite ein verallgemeinerbares Prinzip aus dem Beobachteten ab
Frag dich nach der Beobachtung: "Welche allgemeine Regel bestätigt oder widerlegt diese Erfahrung?"
- Teste dein aktualisiertes Modell in neuen Situationen
Entwirf ein kleines Experiment, das das gerade abgeleitete Prinzip bestätigen oder widerlegen würde.
- Vollende den gesamten Zyklus – überspringe keine Phase
Identifiziere, welche Phase du gewohnheitsmäßig überspringst, und behebe das bewusst.
- Prüfe deine Annahmen, nicht nur deine Handlungen
Wenn Reflexion ein Muster wiederholter Fehler zeigt, such nach dem zugrunde liegenden Glauben, der sie erzeugt.
- Führe ein Lernjournal, um Reflexionen zu externalisieren und anzuhäufen
Schreib regelmäßig über Erfahrungen, Beobachtungen und abgeleitete Prinzipien, um den Lernzyklus über die Zeit sichtbar zu machen.