Implizites Wissen: Das Können, das sich nicht erklären lässt
Woraus Expertenwissen besteht, wie man es erwirbt und warum es sich der Dokumentation widersetzt
Was ist implizites Wissen und wie entwickelt man es?
Implizites Wissen, geprägt von Michael Polanyi, ist das praktische Können, das in Handlung und Leistung verankert ist und sich nicht vollständig in Worte fassen lässt – "wir wissen mehr, als wir sagen können". Erfahrene Radfahrer können nicht vollständig erklären, wie sie die Balance halten; erfahrene Coaches können nicht vollständig verbalisieren, woran sie erkennen, dass eine Klientin bereit für einen Wandel ist. Implizites Wissen entwickelt sich durch praxisbasiertes Eintauchen statt durch Anleitung, und seine Weitergabe erfordert enge Anlehrung an einen Meister statt Dokumentation.
Michael Polanyi stellte fest, dass das meiste, was Experten tatsächlich wissen, sich der Verbalisierung entzieht. Man kann das Radfahren bis ins letzte Detail beschreiben, und der Leser wird trotzdem hinfallen. Diese Lücke zwischen expliziter Anleitung und geübter Leistung ist kein Versagen der Erklärung – sie ist Merkmal einer anderen Art von Wissen. Implizites Wissen ist im Körper und in den Mustererkennungssystemen verankert, nicht im deklarativen Gedächtnis. Im Folgenden die zentralen Praktiken, jeweils mit dem Mechanismus, der sie wirksam macht, und einer ehrlichen Einschätzung der Evidenzlage.
Übungen
- Implizites Wissen durch ausgedehnte, praxisnahe Übung erwerben
Um Können zu entwickeln, das einem niemand beibringen kann, muss man es wiederholt in authentischen Kontexten ausüben.
- Sich einem Meister anschließen, um implizites Wissen in Aktion zu beobachten
Verbringe ausgedehnte Zeit damit, einen Experten zu beobachten – genaues Beobachten vermittelt mehr als seine verbalen Erklärungen.
- Eigenes implizites Wissen durch Fallbearbeitung ans Licht bringen
Nutze konkrete Fallanalysen, um die impliziten Regeln offenzulegen, denen du bereits folgst, die du aber nicht benennen kannst.
- Implizites Wissen durch strukturierte Reflexion nach der Leistung externalisieren
Erzähle unmittelbar nach einer Leistung, was du getan hast und warum – um die lebendige Regel zu erfassen, bevor sie verblasst.
- Ein gemeinsames Vokabular für implizite Unterscheidungen entwickeln
Benenne die feinen Unterschiede, die du erkennen, aber noch nicht erklären kannst – ein Wort für eine Wahrnehmung zu haben, beschleunigt ihre Weitergabe.
- An einer Praxisgemeinschaft teilnehmen, um geteiltes implizites Wissen aufzunehmen
Bette dich in eine Gruppe von Praktikern ein – geteiltes implizites Wissen zirkuliert durch Zusammenarbeit und Kultur, nicht durch Dokumentation.
Übe das mit IX Coach
Verwandte Konzepte
- Das Dreyfus-Modell: Fünf Stufen vom Anfänger zum Experten
Von Regeln zu Intuition – die fünf Stufen und wie man sie durchläuft
- Mentale Repräsentationen: Die innere Landkarte des Experten
Die kognitiven Strukturen, die Expertenleistung von bloß verlängerter Wiederholung unterscheiden
- Bewusstes Üben, nicht nur Üben
Fokussiertes, feedbackgetriebenes Üben am Rand deiner Fähigkeit