Sich einem Meister anschließen, um implizites Wissen in Aktion zu beobachten
Verbringe ausgedehnte Zeit damit, einen Experten zu beobachten – genaues Beobachten vermittelt mehr als seine verbalen Erklärungen.
Why it works
Implizites Wissen entzieht sich der Verbalisierung, ist aber im Verhalten sichtbar. Einen Experten dabei zu beobachten, wie er Situationen bewältigt – besonders mehrdeutige, hochdruckvolle oder unerwartete –, legt die impliziten Entscheidungsregeln offen, die sein Handeln steuern. Die Spiegelneuronensysteme und Mustererkennungsnetzwerke des Beobachters beginnen zu verschlüsseln, was das Verhalten des Experten offenbart, selbst wenn dieser die Regel hinter einer Entscheidung nicht artikulieren kann.
How to do it
- Organisiere ausgedehnte Beobachtung eines Experten in authentischen Kontexten, nicht nur bei Vorführungen.
- Achte besonders darauf, was der Experte in Momenten der Mehrdeutigkeit oder Schwierigkeit tut – hier zeigt sich implizites Wissen am deutlichsten.
- Versuche nach jeder Beobachtungssitzung zu artikulieren, was du gesehen hast, und bitte den Experten, deine Einschätzung zu bestätigen oder zu korrigieren.
Evidenz
Meisterlehre als Wissenstransfer-Mechanismus für implizite Expertise ist in der berufs- und organisationspsychologischen Lernforschung gut belegt; Lave und Wengers Theorie des situierten Lernens dokumentiert, wie implizites Wissen durch legitime periphere Teilnahme vermittelt wird. (observational)
Der Weg von der Beobachtung zur Internalisierung ist qualitativ gut belegt; die Mechanismen sind weniger präzise erforscht als die Effekte expliziter Anleitung.
Quellen
- Lave & Wenger (1991), "Situated Learning: Legitimate Peripheral Participation"
Häufiger Fehler
Den Experten zu bitten zu erklären, was er tut, und seine verbale Darstellung als primäre Quelle zu nehmen – was er sagt, ist oft eine nachträgliche Rationalisierung eines unverbalisierten Musters.
Übe das mit IX Coach
More practices for Implizites Wissen: Das Können, das sich nicht erklären lässt
- Implizites Wissen durch ausgedehnte, praxisnahe Übung erwerben
Um Können zu entwickeln, das einem niemand beibringen kann, muss man es wiederholt in authentischen Kontexten ausüben.
- Eigenes implizites Wissen durch Fallbearbeitung ans Licht bringen
Nutze konkrete Fallanalysen, um die impliziten Regeln offenzulegen, denen du bereits folgst, die du aber nicht benennen kannst.
- Implizites Wissen durch strukturierte Reflexion nach der Leistung externalisieren
Erzähle unmittelbar nach einer Leistung, was du getan hast und warum – um die lebendige Regel zu erfassen, bevor sie verblasst.
- Ein gemeinsames Vokabular für implizite Unterscheidungen entwickeln
Benenne die feinen Unterschiede, die du erkennen, aber noch nicht erklären kannst – ein Wort für eine Wahrnehmung zu haben, beschleunigt ihre Weitergabe.
- An einer Praxisgemeinschaft teilnehmen, um geteiltes implizites Wissen aufzunehmen
Bette dich in eine Gruppe von Praktikern ein – geteiltes implizites Wissen zirkuliert durch Zusammenarbeit und Kultur, nicht durch Dokumentation.
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