Bringe deine Annahmen ans Licht und prüfe sie
Benenne die Annahmen, die die Lücke zwischen den ausgewählten Daten und der erreichten Interpretation füllen.
Why it works
Annahmen sind die unsichtbaren Glieder in der Schlusskette — die Überzeugungen, die du nicht bewusst gewählt hast, die aber nötig sind, damit die Interpretation aus den Daten folgt. Sie sind der haltenden Person oft so selbstverständlich, dass sie gar nicht als Annahmen erkannt werden. Sie explizit zu machen, verwandelt sie von unsichtbarer Architektur in prüfbare Hypothesen — die Mindestvoraussetzung, um zu prüfen, ob sie gerechtfertigt sind.
How to do it
- Frage: "Was müsste über Menschen (oder die Welt) wahr sein, damit meine Interpretation aus den Daten folgt?"
- Schreibe diese Aussagen als "Ich nehme an, dass …"
- Prüfe jede Annahme: Beruht sie auf Belegen, oder ist sie eine mitgebrachte Standardüberzeugung?
- Bitte jemanden mit anderem Hintergrund zu benennen, welche Annahmen er bei dir vermutet.
Evidenz
Argyris' eigene Forschung zum organisationalen Doppelschleifen-Lernen dokumentiert, wie ungeprüfte Annahmen defensive Routinen aufrechterhalten, die wirksame Problemlösung verhindern — direkte Motivation für die Praxis, Annahmen offenzulegen. Das allgemeine Prinzip (implizite Überzeugungen treiben Verhalten und müssen offengelegt werden, um es zu ändern) ist auch in der kognitiven Therapie grundlegend. (clinical)
Die Forschung ist überwiegend organisational und fallstudienbasiert; RCT-Evidenz für die Praxis, Annahmen als individuelle kognitive Intervention offenzulegen, ist begrenzt.
Quellen
- Argyris & Schön (1978), Organizational Learning: A Theory of Action Perspective
Häufiger Fehler
Deine Annahmen so abstrakt zu formulieren, dass sie nicht prüfbar sind ("Ich nehme an, Menschen haben gute Absichten"), statt konkret genug, um geprüft zu werden ("Ich nehme an, sie wusste vom Meeting").
Übe das mit IX Coach
More practices for Die Leiter der Schlussfolgerung
- Unterscheide beobachtbare Daten von Interpretation
Trenne, was eine Kamera aufgezeichnet hätte, von dem, was du daraus gemacht hast.
- Bemerke, welche Daten du ausgewählt hast — und welche du ignoriert hast
Deine Schlussfolgerungen beruhen auf einer Stichprobe der verfügbaren Daten — frage, was diese Stichprobe ausgeschlossen hat.
- Prüfe Schlussfolgerungen, bevor du danach handelst
Behandle deine Schlussfolgerung als Hypothese und finde einen Beleg, der sie bestätigen oder widerlegen würde.
- Steigt gemeinsam die Leiter herunter, wenn ihr uneins seid
Hört bei Konflikten auf, über Schlussfolgerungen zu streiten, und steigt gemeinsam zur Datenebene hinab.
- Verlangsame die reflexive Schleife
Deine aktuellen Überzeugungen prägen, welche Daten du auswählst, was sie selbst verstärkt — unterbrich diese Schleife bewusst.
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