Frage zuerst nach der Basisrate, bevor du den Einzelfall bewertest

Bevor du eine einzelne Situation beurteilst, kläre zuerst, wie oft diese Art von Sache im Allgemeinen vorkommt.

Why it works

Vernachlässigung der Basisrate entsteht, weil spezifische, anschauliche Informationen automatisch und mühelos verarbeitet werden, während Basisraten bewusste Suche und Berechnung erfordern. Die automatische Verarbeitung der spezifischen Geschichte verdrängt das Nachschlagen der Basisrate – es findet einfach nicht statt. Die Basisratenfrage zuerst in deinen Entscheidungsprozess zu stellen, zwingt die Vorwahrscheinlichkeit ins Arbeitsgedächtnis, bevor der anschauliche Fall dominieren kann.

How to do it

  1. Bevor du einen Einzelfall bewertest, schreibe oder sage: „Wie oft gelingt/geschieht/scheitert diese Art von Sache im Allgemeinen?“
  2. Schlage die Referenzklassenrate nach, wenn möglich; schätze sie, wenn nicht.
  3. Verankere deine Wahrscheinlichkeitsschätzung an dieser Zahl, bevor du etwas aus dem Einzelfall hinzufügst.

Evidenz

Kahneman und Tverskys ursprüngliche Studien zu „Ingenieur vs. Anwalt“ zeigten Vernachlässigung der Basisrate direkt: Probanden ignorierten angegebene Basisraten, wenn Persönlichkeitsbeschreibungen vorlagen. Der Effekt wurde in vielen Bereichen umfassend repliziert. (observational)

Quellen

Häufiger Fehler

Nach der Basisrate erst zu fragen, nachdem sich bereits ein starker Eindruck aus dem Einzelfall gebildet hat – dann ist der Anker bereits gesetzt, und die Basisrate wird eher gerechtfertigt als tatsächlich gewichtet.

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