Verstehen – zuerst die Nutzerin oder den Nutzer verstehen

Beobachte und befrage die Menschen, für die du gestaltest, bevor du irgendeine Lösung formst.

Why it works

Designerinnen und Designer bauen standardmäßig für sich selbst und projizieren ihre eigenen Bedürfnisse auf die Nutzer. Direkte Beobachtung und offene Interviews ersetzen diese Projektion durch Evidenz und legen die latenten Bedürfnisse offen, die Menschen in einer Umfrage nicht formulieren können. Der Mechanismus ist die Reduktion des falschen Konsens-Bias – man hört auf anzunehmen, andere seien wie man selbst.

How to do it

  1. Befrage echte Nutzerinnen und Nutzer mit offenen „Warum“- und „Erzähl mir von einem Mal, als“-Fragen, nicht mit Ja/Nein-Fragen.
  2. Beobachte sie bei der tatsächlichen Aufgabe in ihrem realen Kontext; notiere Umgehungslösungen und Frustrationen.
  3. Zeichne auf, was sie tun, nicht nur, was sie sagen – beides weicht oft voneinander ab.

Evidenz

Design Thinking ist ein Prozessrahmenwerk statt eine geprüfte Intervention, daher ist dies mechanistisch. Die Verstehen-Phase stützt sich auf etablierte ethnografische und Nutzerforschungsmethoden, die zuverlässig Bedürfnisse aufdecken, die Selbstauskunft verfehlt. Der False-Consensus-Effekt ist direkt dokumentiert – Menschen überschätzen systematisch, wie sehr andere ihre eigenen Ansichten teilen – und LaPieres klassische Feldstudie zeigt, wie stark das, was Menschen sagen, von dem abweicht, was sie tatsächlich tun, weshalb Verhaltensbeobachtung besser ist als Fragen. (mechanistic)

Es gibt keine RCT, die zeigt, dass „Verstehen“ als eigenständige Phase Ergebnisse verbessert; ihr Wert liegt darin, der gut dokumentierten Tendenz entgegenzuwirken, für sich selbst zu gestalten.

Quellen

Häufiger Fehler

Ein „Nutzerinterview“ zu führen, das eigentlich ein Pitch ist – leitende Fragen zu stellen, die die Lösung bestätigen, die man ohnehin bauen will, sodass man Zustimmung statt Bedürfnisse hört.

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