Finde den Sinn im – nicht trotz des – Leidens

Leid kann in Sinn verwandelt werden, wenn wir wählen, wofür wir darin einstehen.

Why it works

Frankl beobachtete, dass Leid aufhört, Leid zu sein – im psychologisch zerstörerischen Sinn –, sobald es Sinn findet. Der Mechanismus ist kognitiv: Das Leid als Beweis dessen umzudeuten, was einem tief am Herzen liegt (Trauer als Beweis der Liebe, Erschöpfung als Beweis des Engagements), verwandelt eine rein aversive Erfahrung in eine, die auch Zeugnis ist. Das mindert den Schmerz nicht, reduziert aber die zusätzliche Schicht von Sinnlosigkeit, die ihn verstärkt.

How to do it

  1. Benenne, worunter du gerade leidest – konkret, nicht abstrakt.
  2. Frag: „Was sagt mir die Tatsache, dass das schmerzt, darüber, was ich wertschätze?“
  3. Schreib einen Satz, der den Schmerz mit dem Wert verbindet: „Das schmerzt, weil _____ mir wichtig ist.“
  4. Halte beide Wahrheiten gleichzeitig: Das ist schwer UND es ist Beweis für etwas Wichtiges.

Evidenz

Forschung zu posttraumatischem Wachstum (Tedeschi & Calhoun) dokumentiert, dass Sinnfindung aus Leid in Beobachtungsstudien mit positiver psychologischer Veränderung nach Trauma zusammenhängt. Die sinnzentrierte Therapie wendet dies bewusst an und hat RCT-Unterstützung bei fortgeschrittenen Krebspopulationen. (observational)

Posttraumatisches Wachstum ist real, aber nicht universell; diese Praxis ist nicht geeignet als Vorschrift für das Leiden anderer oder als Verleugnung der Gültigkeit von Schmerz.

Quellen

  • Tedeschi & Calhoun (1996), post-traumatic growth measure, Journal of Traumatic Stress

Häufiger Fehler

Zu versuchen, sich intellektuell zu überzeugen, dass das Leid sinnvoll ist – die Transformation geschieht durch gefühltes Erkennen, nicht durch Argumentation. Die Frage muss echt gestellt, nicht rhetorisch beantwortet werden.

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