Diskrepanz zwischen Werten und Verhalten entwickeln
Sanft die Lücke zwischen dem, was die Person will, und dem, was sie tut, sichtbar machen.
Why it works
Motivation wächst, wenn eine Person eine Lücke zwischen ihren Kernwerten oder Zielen und ihrem aktuellen Verhalten wahrnimmt — eine Form kognitiver Dissonanz. Die Kunst ist, die Person die Lücke selbst bemerken und aussprechen zu lassen, denn Dissonanz, die man für jemanden benennt, provoziert eher Abwehr als Veränderung.
How to do it
- Erkunden, was der Person wirklich wichtig ist („Was für ein Elternteil / Kollege möchten Sie sein?").
- Ohne Urteil reflektieren, wie das aktuelle Verhalten dazu passt oder im Widerspruch steht.
- Die Person die Diskrepanz benennen lassen; nicht als Vorwurf liefern.
Evidenz
Diskrepanz zu entwickeln ist ein grundlegendes MI-Prinzip, verankert in der kognitiven Dissonanztheorie (Festinger): Unstimmigkeit zwischen Werten und Handlung motiviert dazu, sie aufzulösen. (mechanistic)
Die Dissonanztheorie ist allgemein gut abgesichert; ihre spezifische Anwendung als Wirkfaktor von MI ist prinzipiengeleitet, nicht eigenständig in Studien isoliert.
Quellen
- Festinger (1957), A Theory of Cognitive Dissonance
Häufiger Fehler
Diskrepanz zu einer „Aha, erwischt"-Falle machen („Sie sagen, Familie sei Ihnen wichtig, aber Sie arbeiten jedes Wochenende") — als Vorwurf gerahmt erzeugt das Scham und Abwehr, keine Motivation.
Übe das mit IX Coach
More practices for Motivational Interviewing, praktisch erklärt
- Change Talk hervorlocken, statt ihn vorzugeben
Fragen stellen, die die Person dazu bringen, ihre eigenen Gründe für Veränderung auszusprechen.
- OARS nutzen, damit sich die Person verstanden fühlt
Offene Fragen, Anerkennung, Reflexion, Zusammenfassung — die vier Kern-Mikrofertigkeiten.
- Mit Widerstand mitgehen, statt ihn zu bekämpfen
Bei Gegenwehr abschwächen und reflektieren, statt zu argumentieren.
- Wichtigkeit und Zuversicht mit dem Bereitschafts-Lineal skalieren
Fragen Sie „Auf einer Skala von 0–10, wie bereit sind Sie?" — und dann, warum nicht niedriger.
- Echte Stärken und Anstrengung anerkennen
Reale Stärken der Person bemerken und benennen — kein leeres Lob.
- Ratschläge mit Erlaubnis teilen (Fragen–Anbieten–Fragen)
Fragen, was die Person schon weiß, Informationen mit Zustimmung anbieten, dann fragen, wie es ankommt.