Mit Widerstand mitgehen, statt ihn zu bekämpfen
Bei Gegenwehr abschwächen und reflektieren, statt zu argumentieren.
Why it works
Direktes Argumentieren löst Reaktanz aus — den Impuls, die eigene Autonomie durch Verhärten zu verteidigen. Konfrontative Beratung produziert zuverlässig mehr „Sustain Talk" und schlechtere Ergebnisse. Mit dem Widerstand mitzugehen entfernt die Wand, gegen die man drücken könnte, sodass die eigene Ambivalenz der Person wieder auftauchen kann.
How to do it
- Wenn Sie Widerstand hören, widerstehen Sie dem Korrigieren; reflektieren Sie ihn stattdessen („Das fühlt sich gerade nach sehr viel an").
- Autonomie laut betonen: „Es ist wirklich Ihre Entscheidung."
- Umdeuten oder den Fokus verschieben, statt dem Argument frontal zu begegnen.
Evidenz
Eine Studie zum Therapiestil fand, dass ein konfrontativer Beratungsstil mehr Widerstand der Klientinnen und Klienten sowie mehr Alkoholkonsum bei der Nachuntersuchung vorhersagte, während empathischer Stil bessere Ergebnisse vorhersagte. (observational)
Beobachtender Zusammenhang zwischen Stil und Ergebnis; „Widerstand" wird in MI heute als Signal über das Gespräch verstanden, nicht als Klienteneigenschaft.
Quellen
- Miller, Benefield & Tonigan (1993), enhancing motivation for change in problem drinking, Journal of Consulting and Clinical Psychology
Häufiger Fehler
Gegenwehr als Sturheit der Person deuten und härter argumentieren — das ist die zuverlässigste Art, jemandem die Veränderung auszureden.
Übe das mit IX Coach
More practices for Motivational Interviewing, praktisch erklärt
- Change Talk hervorlocken, statt ihn vorzugeben
Fragen stellen, die die Person dazu bringen, ihre eigenen Gründe für Veränderung auszusprechen.
- OARS nutzen, damit sich die Person verstanden fühlt
Offene Fragen, Anerkennung, Reflexion, Zusammenfassung — die vier Kern-Mikrofertigkeiten.
- Wichtigkeit und Zuversicht mit dem Bereitschafts-Lineal skalieren
Fragen Sie „Auf einer Skala von 0–10, wie bereit sind Sie?" — und dann, warum nicht niedriger.
- Diskrepanz zwischen Werten und Verhalten entwickeln
Sanft die Lücke zwischen dem, was die Person will, und dem, was sie tut, sichtbar machen.
- Echte Stärken und Anstrengung anerkennen
Reale Stärken der Person bemerken und benennen — kein leeres Lob.
- Ratschläge mit Erlaubnis teilen (Fragen–Anbieten–Fragen)
Fragen, was die Person schon weiß, Informationen mit Zustimmung anbieten, dann fragen, wie es ankommt.