Die vier Kanäle traumatischer Erinnerung bearbeiten: Sinn, Emotion, Kognition, Bedeutung

NET adressiert explizit alle vier Kanäle, in denen Trauma kodiert wird — nicht nur Gedanken.

Why it works

Traumatische Erinnerungen sind über mehrere Systeme gespeichert: sensorisch (was gesehen, gehört, gerochen wurde), emotional (Angst, Scham, Wut), kognitiv (fragmentierte Gedanken, im Moment gebildete Überzeugungen) und bedeutungsbezogen (was sagt das über mich, andere, die Welt aus). PTBS kann bestehen bleiben, wenn nur ein Kanal bearbeitet wird (z. B. kognitive Umstrukturierung ohne sensorische Verarbeitung, oder emotionaler Ausdruck ohne kognitive Integration). NETs chronologische Erzählstruktur regt bei jedem Punkt der Geschichte alle vier Kanäle an.

How to do it

  1. Beim Erzählen jedes Moments eines traumatischen Ereignisses einbeziehen: was Sie sensorisch wahrgenommen haben, was Sie emotional gefühlt haben, welche Gedanken Ihnen durch den Kopf gingen und was das Ereignis damals zu bedeuten schien.
  2. Keine Kanäle überspringen — falls sensorisches Detail schwer zugänglich ist, dabei verweilen und die Vermeidung notieren.
  3. Nach dem Erzählen reflektieren, welche Bedeutung dem Ereignis damals zugeschrieben wurde versus was Sie heute verstehen.
  4. Der Unterschied zwischen vergangener und gegenwärtiger Bedeutung ist der Ort der Integration.

Evidenz

Multi-Kanal-Gedächtnisverarbeitung ist der theoretische Rahmen hinter NETs narrativer Struktur, gestützt auf die empirische Literatur zur Furchtnetzwerk-Aktivierung (Foa & Kozak) und episodischer Gedächtnisrekonsolidierung. Das Vier-Kanal-Modell ist ein klinischer Organisationsrahmen; die zugrunde liegenden Gedächtnissysteme, auf die es sich bezieht, sind real. (mechanistic)

Das Vier-Kanal-Modell ist ein klinischer Rahmen, der innerhalb von NET angewandt wird; die einzelnen Gedächtnissysteme (sensorisch, emotional, semantisch) sind real, aber die spezifische Vierteilung ist eher ein Organisationswerkzeug als eine empirisch validierte eigenständige Klassifikation.

Quellen

  • Foa & Kozak (1986), emotional processing theory — fear network activation

Häufiger Fehler

Nur den kognitiven Inhalt zu erzählen („Ich dachte, ich würde sterben") ohne die sensorischen und emotionalen Kanäle, in denen der Hotspot tatsächlich lebt. Der sensorische Kanal wird oft am meisten vermieden und ist therapeutisch am wichtigsten einzubeziehen.

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