Referenzklassen-Prognose
Mit Basisraten und Außensicht-Ankern ehrlicher prognostizieren
Wie machen Basisraten Prognosen präziser?
Die Referenzklassen-Prognose, entwickelt von Daniel Kahneman und Amos Tversky und von Bent Flyvbjerg formalisiert, verbessert die Prognosegenauigkeit, indem sie sich an der statistischen Verteilung der Ergebnisse ähnlicher vergangener Projekte orientiert – statt an den Details des aktuellen. Die Methode korrigiert zuverlässig den Optimismus-Bias, der Kosten-, Zeit- und Nutzenschätzungen in der Planung aufbläht – die Evidenzbasis dafür ist real und konkret.
Wenn Menschen Projekte planen, konstruieren sie eine detaillierte Erzählung ihrer spezifischen Situation und prognostizieren aus ihr heraus – die „Innensicht“. Kahneman erkannte, dass dieser Prozess zuverlässig optimistisch verzerrt ist, weil die Erzählung sich auf das konzentriert, was gut laufen könnte, und die Verteilung der Ergebnisse vergleichbarer Projekte ignoriert. Die Referenzklassen-Prognose erzwingt eine Verankerung an dieser Verteilung, bevor die Details der Innensicht wieder hinzugefügt werden. Die folgenden Praktiken operationalisieren diese Außensicht-Disziplin und sind weit über das Projektmanagement hinaus nützlich.
Übungen
- Die richtige Referenzklasse für die eigene Situation identifizieren
Eine gut definierte Menge vergangener Situationen finden, die strukturell der eigenen ähneln, und deren Ergebnisdaten sammeln.
- Zuerst an der Basisrate verankern, dann Innensicht-Details hinzufügen
Die Prognose beim Klassen-Median beginnen und dann anpassen – nicht bei der eigenen Erzählung beginnen und zur Basisrate hin anpassen.
- Eine Verteilung prognostizieren, keine Punktschätzung
Die Prognose als Spanne wahrscheinlicher Ergebnisse darstellen, nicht als eine einzelne vorhergesagte Zahl.
- Kognitiven Optimismus-Bias von strategischer Fehldarstellung unterscheiden
Erkennen, dass ein Teil der Prognoseaufblähung echter Bias ist und ein Teil bewusste Beschönigung – beides erfordert unterschiedliche Lösungen.
- Die Prognose schrittweise mit neuer Evidenz aktualisieren
Die Prognose als Wahrscheinlichkeit behandeln, die sich mit jedem neuen Beweisstück verschieben sollte, nicht als Verpflichtung, die einen Widerspruch übersteht.
- Nachbesprechungen für Klassendaten durchführen
Tatsächliche vs. prognostizierte Ergebnisse ehrlich festhalten – das baut die Referenzklasse auf, von der zukünftige Prognosen abhängen.
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