Kognitiven Optimismus-Bias von strategischer Fehldarstellung unterscheiden

Erkennen, dass ein Teil der Prognoseaufblähung echter Bias ist und ein Teil bewusste Beschönigung – beides erfordert unterschiedliche Lösungen.

Why it works

Flyvbjerg identifizierte zwei Quellen von Prognosefehlern: Optimismus-Bias (echte kognitive Verzerrung) und strategische Fehldarstellung (absichtliche Unterschätzung, um Genehmigung oder Finanzierung zu gewinnen). Die Referenzklassen-Prognose korrigiert den Optimismus-Bias. Strategische Fehldarstellung erfordert institutionelle Rechenschaftsmechanismen, keine kognitiven Werkzeuge. Beides zu vermischen führt dazu, die falsche Intervention anzuwenden.

How to do it

  1. Bei der Überprüfung einer Prognose fragen: „Hat die prognostizierende Person Anreize, aus externen Gründen (Finanzierung, Genehmigung) optimistisch zu sein?“
  2. Falls ja, könnte die Schätzung strategisch niedrig angesetzt sein und sollte über die Basisraten-Anpassung hinaus weiter herabgesetzt werden.
  3. Bei eigenen Prognosen fragen: „Bin ich optimistisch, weil ich es wirklich glaube, oder weil ich brauche, dass andere zustimmen?“
  4. Rechenschaftspflicht einbauen: sich verpflichten, Ergebnisse gegen Prognosen zu verfolgen und die Resultate zu berichten.

Evidenz

Flyvbjerg fand Belege für beide Bias-Typen in Infrastrukturprojektdaten, wobei strategische Fehldarstellung besonders in politisch sensiblen Projekten verbreitet war. Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Abhilfe unterschiedlich ist: kognitive Debiasing-Werkzeuge vs. Reform der Anreizstruktur. (observational)

Die beiden Quellen von außen zu unterscheiden ist schwierig – beide erzeugen dasselbe beobachtbare Muster der Prognoseaufblähung. Die Einordnung erfordert oft Kenntnis der Situation der prognostizierenden Person.

Quellen

  • Flyvbjerg, Holm & Buhl (2002), "Underestimating costs in public works projects"
  • Flyvbjerg (2008), "Curbing optimism bias and strategic misrepresentation"

Häufiger Fehler

Annehmen, alle Prognosefehler seien kognitiver Bias, und nur mit Debiasing-Training reagieren, während die Anreizstrukturen, die strategische Fehldarstellung erzeugen, unangetastet bleiben.

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