Kognitiven Optimismus-Bias von strategischer Fehldarstellung unterscheiden
Erkennen, dass ein Teil der Prognoseaufblähung echter Bias ist und ein Teil bewusste Beschönigung – beides erfordert unterschiedliche Lösungen.
Why it works
Flyvbjerg identifizierte zwei Quellen von Prognosefehlern: Optimismus-Bias (echte kognitive Verzerrung) und strategische Fehldarstellung (absichtliche Unterschätzung, um Genehmigung oder Finanzierung zu gewinnen). Die Referenzklassen-Prognose korrigiert den Optimismus-Bias. Strategische Fehldarstellung erfordert institutionelle Rechenschaftsmechanismen, keine kognitiven Werkzeuge. Beides zu vermischen führt dazu, die falsche Intervention anzuwenden.
How to do it
- Bei der Überprüfung einer Prognose fragen: „Hat die prognostizierende Person Anreize, aus externen Gründen (Finanzierung, Genehmigung) optimistisch zu sein?“
- Falls ja, könnte die Schätzung strategisch niedrig angesetzt sein und sollte über die Basisraten-Anpassung hinaus weiter herabgesetzt werden.
- Bei eigenen Prognosen fragen: „Bin ich optimistisch, weil ich es wirklich glaube, oder weil ich brauche, dass andere zustimmen?“
- Rechenschaftspflicht einbauen: sich verpflichten, Ergebnisse gegen Prognosen zu verfolgen und die Resultate zu berichten.
Evidenz
Flyvbjerg fand Belege für beide Bias-Typen in Infrastrukturprojektdaten, wobei strategische Fehldarstellung besonders in politisch sensiblen Projekten verbreitet war. Die Unterscheidung ist wichtig, weil die Abhilfe unterschiedlich ist: kognitive Debiasing-Werkzeuge vs. Reform der Anreizstruktur. (observational)
Die beiden Quellen von außen zu unterscheiden ist schwierig – beide erzeugen dasselbe beobachtbare Muster der Prognoseaufblähung. Die Einordnung erfordert oft Kenntnis der Situation der prognostizierenden Person.
Quellen
- Flyvbjerg, Holm & Buhl (2002), "Underestimating costs in public works projects"
- Flyvbjerg (2008), "Curbing optimism bias and strategic misrepresentation"
Häufiger Fehler
Annehmen, alle Prognosefehler seien kognitiver Bias, und nur mit Debiasing-Training reagieren, während die Anreizstrukturen, die strategische Fehldarstellung erzeugen, unangetastet bleiben.
Übe das mit IX Coach
More practices for Referenzklassen-Prognose
- Die richtige Referenzklasse für die eigene Situation identifizieren
Eine gut definierte Menge vergangener Situationen finden, die strukturell der eigenen ähneln, und deren Ergebnisdaten sammeln.
- Zuerst an der Basisrate verankern, dann Innensicht-Details hinzufügen
Die Prognose beim Klassen-Median beginnen und dann anpassen – nicht bei der eigenen Erzählung beginnen und zur Basisrate hin anpassen.
- Eine Verteilung prognostizieren, keine Punktschätzung
Die Prognose als Spanne wahrscheinlicher Ergebnisse darstellen, nicht als eine einzelne vorhergesagte Zahl.
- Die Prognose schrittweise mit neuer Evidenz aktualisieren
Die Prognose als Wahrscheinlichkeit behandeln, die sich mit jedem neuen Beweisstück verschieben sollte, nicht als Verpflichtung, die einen Widerspruch übersteht.
- Nachbesprechungen für Klassendaten durchführen
Tatsächliche vs. prognostizierte Ergebnisse ehrlich festhalten – das baut die Referenzklasse auf, von der zukünftige Prognosen abhängen.