Tonglen: Die tibetische Praxis des Nehmens und Sendens
Sich dem Leid mit dem Atem zuwenden – die radikale Mitgefühlspraxis des tibetischen Buddhismus
Tonglen-Meditation: wie man Nehmen und Senden übt
Tonglen („Nehmen und Senden“) ist eine tibetisch-buddhistische Mitgefühlspraxis, bei der die Praktizierende Leid einatmet – ihr eigenes oder das anderer – und Erleichterung, Leichtigkeit und Wohlwollen ausatmet. Sie wirkt, indem sie sich bewusst dem Schmerz zuwendet statt von ihm weg, was allmählich die Angst vor Leid verringert und die Kapazität für Mitgefühl erweitert. Die Evidenz ist überwiegend klinisch und mechanistisch; direkte RCTs zu Tonglen speziell sind rar, doch Mitgefühlstraining allgemein zeigt bedeutsame Effekte.
Die meisten Meditationsformen lehren, sich von Unbehagen wegzubewegen oder Gelassenheit ihm gegenüber zu kultivieren. Tonglen kehrt das um: Man atmet das Leid ein und sendet die Erleichterung aus. Die tibetische Lehrerin Pema Chödrön beschreibt die Logik: Der natürliche Impuls ist, sich vor Schmerz zu schützen und den eigenen Komfort nach außen zu projizieren; Tonglen trainiert das Umgekehrte und löst damit die grundlegende Kontraktion des Selbstschutzes, die so viel unnötiges Leid erzeugt. Die folgenden Praktiken arbeiten mit der klassischen vierteiligen Struktur und ihren zeitgenössischen Anpassungen.
Übungen
- Mit der klassischen Zwei-Atem-Textur arbeiten
Atmen Sie etwas Heißes, Dunkles und Schweres ein; atmen Sie etwas Kühles, Helles und Weites aus.
- Tonglen zuerst für das eigene Leid üben
Nutzen Sie Ihren eigenen aktuellen Schmerz als Objekt, bevor Sie die Praxis auf andere ausweiten.
- Tonglen auf eine bestimmte leidende Person richten
Rufen Sie eine leidende Person in den Sinn und atmen Sie ihren Schmerz ein; atmen Sie aus, was ihr Erleichterung geben würde.
- Flash-Tonglen im Moment der Begegnung mit Leid nutzen
Ein einziges Einatmen von jemandes Schmerz und ein Ausatmen von Wohlwollen ist ein vollständiger Akt von Tonglen.
- Tonglen erweitern, um alle Wesen einzuschließen, die dasselbe Leid teilen
Was auch immer Sie leiden – unzählige andere fühlen es auch – atmen Sie den geteilten Schmerz ein, atmen Sie geteilte Erleichterung aus.
- Widerstand gegen die Praxis ehrlich untersuchen
Der Impuls, Leid nicht einzuatmen, ist Information darüber, wo Ihre selbstschützende Kontraktion sitzt.
- Sich auf Tonglen mit kurzer Gelassenheits-Erdung vorbereiten
Der Einstieg in Tonglen aus einem geerdeten, weiten Zustand macht die Praxis tragfähig statt destabilisierend.
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