Vorbilder bewusst wählen und studieren
Wähle eine konkrete Person, deren Charakter in einem bestimmten Bereich du verinnerlichen möchtest, und studiere, wie sie handelt – nicht nur, was sie sagt.
Why it works
Aristoteles verwies auf den Phronimos (die praktisch weise Person) als Vorbild; MacIntyre stellt fest, dass Charakter zuerst durch Vorbilder vermittelt wird, nicht durch Regeln. Vorbilder wirken, weil das menschliche Gehirn auf imitatives Lernen ausgelegt ist – tugendhaftes Handeln im Kontext zu beobachten, vermittelt implizites Wissen darüber, wie Tugend in realen Situationen aussieht, das abstrakte Beschreibungen nicht einfangen können.
How to do it
- Identifiziere eine Person, deren Charakter in einem bestimmten Bereich du wirklich bewunderst – jemanden, den du kennst, oder dessen Leben gut genug dokumentiert ist, um es zu studieren.
- Konzentriere dich darauf, wie sie in schwierigen Fällen handelt, nicht in einfachen – Tugend ist unter Druck am sichtbarsten.
- Frag dich: Was genau tun sie, das du nicht getan hättest? Benenne die Tugend in dieser Handlung.
- Nutze sie in deiner nächsten ähnlichen Situation als Referenzpunkt: „Was würde [Person] sehen, das mir entgeht?“
Evidenz
Beobachtungslernen (Bandura) ist als Mechanismus für den Erwerb komplexer Verhaltensweisen und Dispositionen gut belegt; vorbildbasierte moralische Erziehung hat eine lange Geschichte sowohl in der Tugendethik als auch in der Entwicklungspsychologie. (observational)
Sozial-Lern-Forschung bezieht sich weitgehend auf Verhaltensmodellierung; die Verallgemeinerung auf Tugend als Charakterdisposition erfordert den zusätzlichen Schritt, den Aristoteles liefert, den empirische Forschung aber nicht direkt getestet hat.
Quellen
- Bandura, A. (1977), Social learning theory, Prentice Hall
Häufiger Fehler
Ein Vorbild wegen seiner Ergebnisse (Reichtum, Ruhm, Erfolg) statt seines Charakters zu wählen – was das falsche Ziel importiert und die falschen Mittel modelliert.
Übe das mit IX Coach
More practices for Tugendethik, ganz praktisch
- Die Tugenden identifizieren, die du am meisten kultivieren musst
Benenne die drei Charaktereigenschaften, deren Fehlen dich am meisten einschränkt – das sind deine Übungsziele.
- Tugend durch bewusste Habituation kultivieren
Tu die tugendhafte Handlung – auch unvollkommen, auch ohne das Gefühl –, bis die Disposition folgt.
- Dein Leben als Erzählung sehen, nicht als Abfolge von Entscheidungen
Frag dich: Welche Geschichte lebe ich, und spiegelt sie den Charakter, den ich aufbauen möchte?
- Deine Tugenden in eine Praxisgemeinschaft einbetten
Die Tugenden, die für Exzellenz in einer ernsthaften Praxis (Handwerk, Sport, Beziehung) nötig sind, sind echte Tugenden – finde die Praxis, die sie hervorruft.
- Aufblühen messen, nicht nur Glück
Frag dich regelmäßig: Blühe ich als Mensch auf – nutze ich meine Fähigkeiten gut – oder fühle ich mich nur okay?
- Tugenden als vernetzt üben, nicht getrennt
Wenn eine Tugend abwesend erscheint, such nach der verwandten Tugend, die ebenfalls vernachlässigt wird.
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