Erkennen, was die Erzählung auslässt

Nach dem Hören oder Konstruieren einer kausalen Geschichte bewusst die Fakten auflisten, die sie nicht erklärt.

Why it works

Erzählkonstruktion ist selektiv: Das Gehirn setzt Fakten zusammen, die in eine Kausalkette passen, und verwirft Fakten, die nicht passen — nicht böswillig, sondern automatisch. Das Ergebnis ist, dass sich die Geschichte vollständig anfühlt, auch wenn sie es nicht ist. Die Auslassungen bewusst zu generieren — zu fragen „Was ist sonst noch passiert, das diese Geschichte nicht erklärt?" — bricht die Vollständigkeitsillusion und macht die Lücken sichtbar statt unsichtbar.

How to do it

  1. Nach dem Konstruieren oder Hören einer erklärenden Erzählung fragen: „Was ist passiert, das diese Geschichte nicht erklärt?"
  2. Mindestens drei Fakten oder Ereignisse auflisten, die die Erzählung auslässt oder wegerklärt.
  3. Fragen: „Hält die Geschichte noch, wenn diese Fakten gleich gewichtet werden wie die, die sie hervorhebt?"

Evidenz

Im Einklang mit Forschung zur Rückschaufehler (Fischhoff, 1975) und mit der Sensemaking-Literatur (Weick, 1995): Erzählungen werden rückwirkend konstruiert und sind systematisch ordentlicher, als die tatsächliche Evidenz rechtfertigt. Talebs Erzähltrugschluss formalisiert dies als eigenständige Verzerrung. (mechanistic)

„Erzähltrugschluss" ist Talebs Begriff; die zugrunde liegenden Mechanismen (Rückschaufehler, selektives Gedächtnis, kausale Zuschreibung) sind separat gut etabliert.

Quellen

  • Fischhoff (1975), "Hindsight ≠ Foresight: The Effect of Outcome Knowledge on Judgment Under Uncertainty," Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance

Häufiger Fehler

Nur geringfügige oder irrelevante Auslassungen aufzulisten — die Prüfung ist am nützlichsten, wenn Sie Fakten finden, die die kausale Struktur der Geschichte wirklich herausfordern.

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