Auf Interessen fokussieren, nicht auf Positionen
Fragen, warum eine Position eingenommen wird – das zugrundeliegende Interesse ist fast immer verhandelbarer als die geäußerte Forderung.
Why it works
Positionen sind konkrete Forderungen („Ich brauche 80.000 €“); Interessen sind die zugrundeliegenden Bedürfnisse, die sie motivieren („Ich muss meine Miete decken und mich wertgeschätzt fühlen“). Zwei direkt widersprüchliche Positionen können kompatible Interessen bedienen. Das Gespräch von Positionen zu Interessen zu verlagern, eröffnet die Möglichkeit von Lösungen, die die tatsächlichen Bedürfnisse beider Parteien erfüllen – oft kreativer, als es die ursprüngliche Position einer Seite erlaubt hätte.
How to do it
- Wiederholt „Warum?“ und „Wofür?“ fragen – nicht als Herausforderung, sondern als echte Nachfrage nach dem, was die Position antreibt.
- Deine eigenen Interessen explizit äußern, nicht nur deine Position: „Was ich hier wirklich brauche, ist…“
- Die Interessen beider Seiten auflisten, bevor Lösungen generiert werden – Lösungen kommen erst, nachdem Interessen verstanden sind.
Evidenz
Die Unterscheidung von Positionen und Interessen ist der Grundpfeiler der Forschung zu integrativem Verhandeln. Laborstudien zeigen konsistent, dass Informationsaustausch über Interessen Logrolling und höhere gemeinsame Ergebnisse ermöglicht. Pruitt & Lewis (1975) zeigten experimentell, dass eine problemlösungsorientierte Haltung gegenüber zugrundeliegenden Interessen, statt Positionsverhandeln, integrativere (beiderseits vorteilhafte) Vereinbarungen hervorbrachte. (rct)
Interessenerkundung erfordert Vertrauen und etwas Offenlegung. In Umgebungen mit geringem Vertrauen oder hoher Konfrontation kann die Offenlegung echter Interessen ausgenutzt werden; das Prinzip ist fundiert, aber kontextabhängig in der Anwendung.
Quellen
- Thompson (1991), "Information exchange in negotiation", Journal of Experimental Social Psychology
- Thompson, L. L. (1991). Information exchange in negotiation. Journal of Experimental Social Psychology, 27(2), 161-179.
- Pruitt, D. G., & Lewis, S. A. (1975). Development of integrative solutions in bilateral negotiation. Journal of Personality and Social Psychology, 31(4), 621-633.
Häufiger Fehler
Die erste geäußerte Position als tatsächliche Einschränkung zu akzeptieren und Lösungen zu generieren, die alle diese Position ansprechen – man könnte versuchen, das falsche Problem zu lösen.
Übe das mit IX Coach
More practices for Prinzipiengeleitetes Verhandeln, praktisch umgesetzt
- Menschen vom Problem trennen
Beziehungsanliegen und Sachfragen in unterschiedlichen Registern behandeln – Menschen freundlich, das Problem hart angehen.
- Optionen für beiderseitigen Gewinn entwickeln, bevor man wählt
Mehrere kreative Optionen ohne Verpflichtung generieren, bevor man eine bewertet – der Lösungsraum ist meist größer, als die anfänglichen Positionen andeuten.
- Auf objektiven Kriterien zur Bewertung von Optionen bestehen
Auf einen unabhängigen Standard einigen – Marktpreis, Präzedenzfall, Expertenmeinung – bevor er auf den konkreten Deal angewendet wird.
- Vorschläge als „zustimmungsfähige Angebote“ rahmen
Deine Vorschläge so gestalten, dass der Gegenüber leicht Ja sagen kann – nicht leicht zu deinen Bedingungen, sondern leicht als legitim zu akzeptieren.
- Emotionen in der Verhandlung explizit anerkennen
Benennen, was du bei der anderen Seite an Gefühlen wahrnimmst – das reduziert defensive Hitze und hält das Sachgespräch bearbeitbar.
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