Optionen für beiderseitigen Gewinn entwickeln, bevor man wählt
Mehrere kreative Optionen ohne Verpflichtung generieren, bevor man eine bewertet – der Lösungsraum ist meist größer, als die anfänglichen Positionen andeuten.
Why it works
Positionsverhandeln behandelt Optionen als kompetitiv und begrenzt. Prinzipiengeleitetes Verhandeln schafft eine separate Erfindungsphase – eine echte Brainstorming-Sitzung, in der keine Partei an etwas Generiertes gebunden ist. Das nimmt den Bewertungsdruck aus der kreativen Phase und ermöglicht, dass mehr Optionen auftauchen. Mehr Optionen bedeuten mehr Chancen, eine zu finden, die für beide Seiten wirklich funktioniert.
How to do it
- Explizit vereinbaren: „Lass uns 20 Minuten Ideen ohne Verpflichtung generieren – nichts, was wir hier sagen, ist ein Angebot.“
- Mindestens 5–10 Optionen generieren, bevor eine bewertet wird.
- Optionen einschließen, die den Gegenüber begünstigen – das signalisiert guten Willen und regt oft zu gegenseitiger Kreativität an.
- Erst bewerten, wenn die Liste vollständig ist, anhand vereinbarter Kriterien statt willkürlicher Präferenz.
Evidenz
Generierung von Bewertung zu trennen ist ein gut belegtes Prinzip in der Kreativitäts- und Entscheidungsforschung. Seine Anwendung im Verhandlungskontext wird durch Forschung zu integrativem Verhandeln gestützt, wo gemeinsame Optionsgenerierung bessere gemeinsame Ergebnisse hervorbringt. Pruitt & Lewis (1975) zeigten, dass bilaterale Verhandler, die gemeinsam Lösungen generierten, messbar integrativere Vereinbarungen erreichten als jene, die über feste Positionen verhandelten. (observational)
Effektives gemeinsames Brainstorming erfordert genug Vertrauen, dass vorzeitige Zugeständnisse nicht gegen die generierende Partei verwendet werden – die Sitzung explizit zu strukturieren hilft.
Quellen
- Bazerman & Neale (1992), Negotiating Rationally
- Pruitt, D. G., & Lewis, S. A. (1975). Development of integrative solutions in bilateral negotiation. Journal of Personality and Social Psychology, 31(4), 621-633.
Häufiger Fehler
Optionen zu bewerten, während sie generiert werden, was die kreative Phase tötet – der Bewertungsdruck lässt Menschen Ideen zensieren, bevor sie erkundet werden können.
Übe das mit IX Coach
More practices for Prinzipiengeleitetes Verhandeln, praktisch umgesetzt
- Menschen vom Problem trennen
Beziehungsanliegen und Sachfragen in unterschiedlichen Registern behandeln – Menschen freundlich, das Problem hart angehen.
- Auf Interessen fokussieren, nicht auf Positionen
Fragen, warum eine Position eingenommen wird – das zugrundeliegende Interesse ist fast immer verhandelbarer als die geäußerte Forderung.
- Auf objektiven Kriterien zur Bewertung von Optionen bestehen
Auf einen unabhängigen Standard einigen – Marktpreis, Präzedenzfall, Expertenmeinung – bevor er auf den konkreten Deal angewendet wird.
- Vorschläge als „zustimmungsfähige Angebote“ rahmen
Deine Vorschläge so gestalten, dass der Gegenüber leicht Ja sagen kann – nicht leicht zu deinen Bedingungen, sondern leicht als legitim zu akzeptieren.
- Emotionen in der Verhandlung explizit anerkennen
Benennen, was du bei der anderen Seite an Gefühlen wahrnimmst – das reduziert defensive Hitze und hält das Sachgespräch bearbeitbar.
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