Dem wahren Selbst unter dem falschen Selbst Aufmerksamkeit schenken
Erkenne die konstruierte soziale Persona (falsches Selbst) und ruhe im tieferen Selbst darunter.
Why it works
Mertons zentrale psychologische Lehre ist die Unterscheidung zwischen dem falschen Selbst — dem Bild, das wir für die Welt konstruieren und aufführen, aufgebaut auf Leistung, Anerkennung und Status — und dem wahren Selbst, das in Beziehung zu Gott existiert, noch vor aller Aufführung. Das kontemplative Projekt ist nicht Selbstverbesserung des falschen Selbst, sondern dessen allmähliche Loslassung. Psychologisch entspricht das dem Prozess der Ent-Identifikation von Rollen und reaktiven Mustern, der mit verringerter Angst und größerer psychologischer Flexibilität verbunden ist.
How to do it
- Bemerke in der Stille die Gedanken und Erzählungen, mit denen du dich definierst — Leistungen, Misserfolge, Rollen.
- Frage ehrlich: Wer würde bleiben, wenn diese beiseitegelegt würden? Mertons Antwort lautet: der Geliebte.
- Bringe dem falschen Selbst Selbstmitgefühl entgegen statt Verachtung — es ist eine Verteidigung, kein Feind.
- Behandle wiederkehrende Haltungen der Selbstdarstellung oder Selbstabwertung als Signale, dass das falsche Selbst am Werk ist, würdig sanfter Neugier.
Evidenz
Ent-Identifikation von Rollen und Selbstkonzept wird im Kontext der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) als „Selbst-als-Kontext“ erforscht, mit Evidenz für Flexibilitäts- und Wohlbefindensvorteile. Mertons theologischer Rahmen geht über die psychologische Ent-Identifikation hinaus. (mechanistic)
Selbst-als-Kontext in ACT hat Evidenz hinter sich; Mertons Unterscheidung von wahrem und falschem Selbst ist eine theologische Aussage, die über das hinausgeht, was psychologische Forschung adressiert.
Quellen
- A-Tjak, J. G. L., Davis, M. L., Morina, N., Powers, M. B., Smits, J. A. J., & Emmelkamp, P. M. G. (2015). A meta-analysis of the efficacy of acceptance and commitment therapy for clinically relevant mental and physical health problems. Psychotherapy and Psychosomatics, 84(1), 30–36.
- Bernstein, A., Hadash, Y., Lichtash, Y., Tanay, G., Shepherd, K., & Fresco, D. M. (2015). Decentering and related constructs: A critical review and metacognitive processes model. Perspectives on Psychological Science, 10(5), 599–617.
Häufiger Fehler
„Das wahre Selbst zu finden“ als weitere Leistung zu behandeln, die das falsche Selbst für sich beanspruchen kann — kontemplative Identität als geistlichen Status zu nutzen, genau die Falle, vor der Merton warnt.
Übe das mit IX Coach
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