Die eigene Objektivität explizit hinterfragen

Sich fragen, welche Kräfte die eigene Wahrnehmung formen könnten, bevor man annimmt, klar zu sehen.

Why it works

Naiver Realismus wird teilweise durch einen blinden Fleck aufrechterhalten: Wir wenden Verzerrungserkennung auf andere an, aber nicht auf uns selbst. Forschung zum Bias Blind Spot zeigt, dass je fortgeschrittener das Wissen einer Person über kognitive Verzerrungen ist, desto stärker sie sich oft als immun bewertet — weil dieses Wissen nach außen angewendet wird. Die Verzerrungserkennung explizit nach innen zu richten unterbricht dies vorübergehend.

How to do it

  1. Vor einem endgültigen Urteil fragen: „Welches Interesse habe ich daran, dass dies wahr ist? Was würde ich lieber vorfinden?"
  2. Ein oder zwei Erfahrungen oder Identitäten auflisten, die Ihre Lesart dieser Situation verzerren könnten.
  3. Ihre Zuversicht bei 80 % statt 100 % ansetzen — die verbleibende Unsicherheit hält Sie epistemisch offen.

Evidenz

Pronin et al. dokumentierten den „Bias Blind Spot": Menschen bewerten sich selbst als weniger anfällig für dieselben Verzerrungen, die sie bei anderen bereitwillig beschreiben können. Größeres Wissen über Verzerrungen reduzierte nicht zuverlässig die selbstberichtete Anfälligkeit. Lord, Ross und Lepper (1979) zeigten, dass Menschen identische Evidenz als stärker bewerten, wenn sie ihrer vorherigen Ansicht entspricht — ein Beleg für genau die selbstgerichtete Verzerrung, auf die diese Praxis zu achten auffordert. (observational)

Quellen

Häufiger Fehler

Die eigene Objektivität erst zu prüfen, wenn das Urteil bereits feststeht — in diesem Stadium ist die Überprüfung meist oberflächlich und bestätigt die ursprüngliche Ansicht.

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