Die RPE-Skala
Subjektive Belastungswahrnehmung, Autoregulation und Training mit dem eigenen Körper statt gegen ihn
Wie nutzt man die RPE-Skala, um klüger zu trainieren?
Die RPE-Skala (Rating of Perceived Exertion, subjektive Belastungswahrnehmung) übersetzt subjektive Trainingsintensität in eine standardisierte Zahl, die zuverlässig mit Herzfrequenz, Laktat und VO2 korreliert. RPE zusätzlich zu oder statt Herzfrequenz zu nutzen erlaubt es, die Trainingslast anhand des tatsächlichen Gefühls zu autoregulieren – und dabei Erschöpfung, Stress, Schlaf und Krankheit zu berücksichtigen, die Geräte nicht erkennen können. Die Validität der Skala ist in der Sportwissenschaft gut etabliert.
Gunnar Borg verbrachte Jahrzehnte damit, die Beziehung zwischen dem gefühlten Schweregrad von Training und dem messbar Geschehenden im Körper zu untersuchen. Seine Erkenntnis war, dass die subjektive Erfahrung von Anstrengung kein Rauschen ist – sie ist ein bemerkenswert präzises integriertes Signal aus jedem belasteten System: Muskel, Herz-Kreislauf, Atmung und zentrales Nervensystem. Die von ihm entwickelte RPE-Skala verwandelt dieses Signal in eine Zahl, mit der man Intensität einstellen, Erschöpfung überwachen und Echtzeitentscheidungen treffen kann, die kein Wearable für einen treffen kann.
Übungen
- Die Borg-Skala auf die eigene tatsächliche Physiologie kalibrieren
Die 6–20-Borg-Skala (oder 0–10-RPE) funktioniert nur, wenn man weiß, wie sich jede Zahl im eigenen Körper anfühlt.
- Die tägliche Trainingslast mit RPE autoregulieren
Wenn sich eine geplante moderate Sitzung wie eine 8/10 statt der üblichen 6/10 anfühlt, sagt einem der Körper etwas – die Sitzung entsprechend anpassen.
- RPE nutzen, um die Krafttrainingslast statt feste Prozentsätze festzulegen
Eine RPE 8 bei der Kniebeuge bedeutet zwei Wiederholungen Reserve – das kalibriert die Last auf den tatsächlichen Zustand an diesem Tag.
- RPE-Rückblicke nach der Sitzung nutzen, um Übertraining früh zu erkennen
Die RPE-Drift über einen Trainingsblock verfolgen – steigende RPE bei gleicher Last ist das früheste Übertrainingssignal.
- RPE nutzen, um Cardio-Intensität ohne Herzfrequenzmesser festzulegen
RPE 5–6 für aerobe Basis, 7–8 für Tempo, 9–10 für Intervalle anpeilen – alles ohne Herzfrequenzmesser.
- RPE als Kommunikationssprache mit Trainern und Trainingspartnern nutzen
Ein gemeinsames RPE-Vokabular verwandelt subjektive Erfahrung in objektive Programmierdaten, nach denen ein Trainer handeln kann.
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